Alltag ohne Facebook (Teil 2)

Alltag ohne Facebook

Hier geht’s zum ersten Artikel der Reihe „Ohne Facebook“.

Nach einer Woche ohne Facebook

Nach einer Woche ohne war ich wieder auf Facebook. Ich habe mir den Wecker gestellt und eine Liste geschrieben, was ich dort tun musste.

Ausversehen habe ich gelesen, dass zwei Leute meinen letzten Blogartikel kommentiert haben. Aber ansonsten bin ich standhaft geblieben und habe nicht auf die kleinen roten Benachrichtigungskästchen geklickt, die mich die ganze Zeit provokativ angestarrt haben. Zwei private Nachrichten und 40 Benachrichtigungen über – irgendwas. Zwischendurch sind auch wieder Nachrichten aufgeploppt, dass in irgendeiner Gruppe etwas gepostet wurde. Ich bin richtig ins Schwitzen gekommen, weil ich so unbedingt diese roten Kästchen anklicken wollte, damit sie nicht mehr rot sind. Und vielleicht wäre ja eine der privaten Nachrichten wichtig gewesen? Ich tröste mich damit, dass ja jeder meinen Blog lesen kann und dann weiß, dass ich das nicht lese.
Ich war in 10 Minuten fertig und habe mich wieder ausgeloggt. Und dann frage ich mich, ob ich es nicht übertreibe. Was wäre denn so schlimm daran, zu lesen, was alles auf der Timeline steht? Oder was mir irgendwer als Nachricht geschrieben hat?

Nach einem Monat ohne Facebook

Mittlerweile krieg ich es ganz gut hin, mir eine Aufgabe vorzunehmen, die ich auf Facebook erledigen muss, und mich dann wieder auszuloggen. Ich habe mittlerweile auch die ganzen Privaten Nachrichten beantwortet mit Hinweis darauf, dass ich von nun an Kommunikation per E-Mail bevorzuge. Dafür leuchtet das rote Benachrichtigungskästchen jetzt mit 99+ Benachrichtungen, die darauf warten, angeschaut zu werden. Die können lange warten.

Trotzdem verbringe ich wieder mehr Zeit auf Facebook, nachdem ich meine Regelungen gelockert habe. Eine Freundin kann ich gerade nur über Facebook kontaktieren. Und dann musste ich noch einige Veranstaltungen für das Café erstellen und bewerben. Die Seite für meinen Blog musste ich auch etwas überarbeiten. Und schwupps, sind sie weg, die Minuten oder auch die Stunden. Und das, obwohl ich keine einzige Nachricht auf meiner Timeline gelesen habe.

Für mich gefährlich wird es, wenn ich etwas erspähe, was mich interessiert und ich langsam aus dem Modus „ich darf nur das machen, was ich mir vorgenommen habe“ rutsche. Heute habe ich es gerade noch rechtzeitig gemerkt und anstatt mir die Timeline einer Seite reinzuziehen,1 habe ich mir gleich die richtige Website angeschaut. Trotzdem ging mein Ausrutscher so weit, dass ich eine Freundschaftsanfrage versendet habe – aus reinem Automatismus.

Zwischenfazit

Das zeigt mir, dass ich wieder mehr aufpassen muss, um nicht in die alten Muster zurück zu fallen.

Dabei hilft mir:

  • Einen Wecker stellen: So schränke ich meine Zeit auf Facebook bewusst ein und bekomme ein Gefühl dafür, wieviel Zeit ich tatsächlich dort verbringe.
  • Eine Liste machen, was ich alles auf Facebook machen will: Diese arbeite ich ab und logge mich aus, sobald der letzte Punkt erledigt ist.
  • Aufgaben sammeln: So kann ich meine Logins auf einmal die Woche oder noch seltener begrenzen.
  • Freunde bitten, mir keine Facebook Nachrichten zu schicken, sondern mich auf andere Weise zu kontaktieren2: Der Impuls, sich einzuloggen um nach Nachrichten zu sehen, verschwindet dadurch.

Sehr viel leichter fällt es mir mittlerweile, die roten Benachrichtigungskästchen zu ignorieren.

Was ich anstatt dessen tue

Tatsächlich hat sich mein Alltag ohne Facebook nicht so sehr verändert. Die ersten Wochen habe ich schon sehr häufig gemerkt, wie ich automatisch nach getaner „Arbeit“ kurz auf Facebook schauen wollte.

Um meine Bedürfnisse nach Entspannung und Leichtigkeit zu erfüllen, wenn ich die denn so stark hatte, musste ich nun andere Strategien wählen. Das waren zum Beispiel das häufige Neuladen meiner E-Mails3. Oder irgendwelche Blogs lesen4. Oder wenig anspruchsvolle Fernsehserien schauen und wenig anspruchsvolle Bücher lesen.

Mit diesen Strategien war ich nicht so richtig glücklich. Schließlich ist es auch kein so großer Unterschied, ob ich nun Facebook oder TV gucke. Aber ich habe Gott sei Dank noch andere Möglichkeiten gefunden, die sogar noch zusätzliche Bedürfnisse versorgt haben!

  • Sich massieren lassen5
  • Sich (empathisch6 ) zuhören lassen

Beides hat super funktioniert, hängt aber davon ab, ob eine willige Person in der Nähe ist 🙂 Die Idee, Geschichten am Lagerfeuer zu erzählen um für Leichtigkeit und Entspannung zu sorgen, konnte ich aufgrund der Wetterlage noch nicht umsetzen.

Ich habe aber auch (erneut) herausgefunden, dass ich das alles gar nicht brauche, wenn ich mich an meinen Vorsatz halte, nur noch Dinge aus spielerischer Freude heraus zu machen, anstatt aus Pflichtgefühl, Schuldgefühl oder Angst. Die ersten Schritte dazu habe ich ja in meinem letzten Artikel „Auszeit nehmen – „ich muss“-Gedanken auflösen“ beschrieben.

Übrigens: Wenn es dir wie mir geht und du gerne weniger Facebook nutzen möchtest, aber trotzdem keinen Artikel auf dem Niemblog verpassen möchtest, kannst du dich in meinen Newsletter eintragen, um per E-Mail auf dem Laufenden zu bleiben.

  1. Mal ehrlich, der Informationswert davon geht doch wirklich gegen Null. []
  2. E-Mail, SMS, Anruf, Besuch, was auch immer []
  3. was ziemlich unsinnig ist []
  4. was aber nicht dasselbe ist, weil man sich mehr konzentrieren muss []
  5. Entspannungsmassage []
  6. Das bedeutet, dass der/diejenige, der/die zuhört, ganz präsent bei dir ist. []

1 Kommentar

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.