Offener Brief zu face-to-face Fundraising

face-to-face fundraising

Meine Erlebnisse mit sogenanntem face-to-face-Fundraising mit Provision

Liebe Menschen, die sich angesprochen fühlen wollen, wenn es um face-to-face Fundraising und Mitgliederwerbung für NGOs geht,

Ich bin stinksauer. Heute bin ich mit meinem Freund durch die Erlanger Fußgängerzone gelaufen und bin bewusst nicht die Infostände von Plan und BUND Naturschutz umgangen. Ich fühlte mich mit einer Plan Patenschaft und guten Verbindungen zur Erlanger BN Kreisgruppe ganz sicher. Deswegen habe ich nicht sofort abgewiegelt, sondern mich in Gespräche verwickeln lassen. Auch, weil mir fruchtbare Kontakte mit Menschen wichtig sind, die potentiell ähnliche Werte vertreten.

Mittlerweile weiß ich schon, dass große Organisationen wie Anmesty, Plan, SOS Kinderdorf oder BUND Naturschutz, Menschen für ihre Infostände einstellen. Diese sind keine Mitglieder, bekommen aber eine entsprechende Kommunikationsausbildung und oft Provision.

Was mich ärgert ist: Ich erzähle, dass ich bereits Mitglied bei der entsprechenden Organisation und auch anderweitig ehrenamtlich engagiert bin. Trotzdem versucht mein Gegenüber mit allen möglichen manipulativen kommunikativen Mitteln, mich dazu zu drängen, noch mehr Geld für die Organisation zu spenden. Dazu wird interessiert nachgefragt, was ich arbeite/studiere/whatever, nur um mich länger in ein Gespräch zu verwickeln, mich zu überrumpeln oder dazu zu drängen, Mitglied zu werden. Alles, was in diesem Gespräch gesagt wird, zielt nur darauf ab, dass ich am Ende Mitglied bin.
Ich fühle mich benutzt und als Mensch nicht respektiert nach so einem Gespräch. Und das macht mich richtig wütend, weil mir Ehrlichkeit und Kontakt auf Augenhöhe wichtig ist und ein respektvoller Umgang miteinander.

Wie wäre es mit authentischer statt manipulativer Kommunikation?

Und ich bin der festen Überzeugung, dass all das: Ehrlichkeit, Kontakt auf Augenhöhe und Respekt, auch für NGOs und Menschen, die etwas verändern wollen, wichtig ist. Deswegen glaube ich, dass dieses aggressive face-to-face Fundraising ein Holzweg ist. Und das macht mich dann umso trauriger, weil Werte, die für mich unmittelbar etwas mit Menschenwürde zu tun haben, bei der Mitgliederwerbung ebenjener Organisationen, die sich für Menschenwürde einsetzen, außen vor gelassen werden. Denn wenn wir, die wir für bestimmte Werte eintreten, diese nicht leben, wie sollen wir dann andere davon überzeugen, das zu tun?

Und ich glaube einfach nicht, dass der Zweck alle Mittel heilt. Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn Menschen heute bei Amnesty Mitglied werden und das morgen bereuen, aber trotzdem noch ein paar Monate Mitglied bleiben, weil sie ja jetzt schonmal dabei sind. Und ich glaube auch nicht, dass sich durch manipulative Kommunikationsstrategien Menschen nachhaltig überzeugen lassen. Veränderungen müssen von innen heraus kommen! Und dazu braucht es Offenheit, Transparenz, Empathie und Ehrlichkeit.

Ich glaube, dass wir eine authentische Kommunikation brauchen und keine manipulative Kommunikation, wenn wir etwas in der Welt verändern wollen.

Alles Liebe,
Eure Sabrina

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6 Kommentare

  1. Da sprichst du mir wirklich aus der Seele. So gut wie ich die Intensionen der Organisationen an sich finde, so wenig gefallen mir die Methoden an ihren Info-Ständen. Wenn ich selbst mal in so ein Gespräch gerate fühle ich mich oft sehr unwohl. Deswegen mache ich tatsächlich schon länger einen großen Bogen um solche Stände.
    Sehr schade eigentlich, denn, genau wie du sagst, wäre es eigentlich wirklich schön sich auf diesem Weg hin und wieder mit gleichgesinnten auszutauschen.

  2. Tja… ab einer gewissen Größe läßt es sich wohl kaum vermeiden daß eine Organisation professionell wird und dann auch zu „professioneller Werbung“ und anderen Auswüchsen neigt. Vieles hast Du schon gesagt, eines fällt mir aber speziell auf:
    Wenn recht schnell die Frage aufkommt was man arbeitet/studiert/… heißt das am Ende meist nicht viel anderes als daß der Fragende in Wirklichkeit gar kein Interesse daran hat näher auf einen einzugehen sondern einen nur schnell in eine Schublade stecken will. Ist im obigen Fall durchaus bezeichnend…

  3. Liebe Sabrina,
    ich ärgere mich auch oft, wenn ich von Leuten mit diesen aggressiven Werbetricks angesprochen werde. Da ich auf meinem Heimweg von der Arbeit immer über den größten Platz der Stadt muss (und die natürlich genau dort IMMER ihre Leute herum stehen haben), komme ich ziemlich oft in den Genuss angesprochen zu werden.
    Oft bekomme ich in genau dem Moment ein „Haste mal kurz Zeit“ zu hören, wenn ich grad loslaufe, um noch die Bim zu erwischen. Da bin ich dann immer ziemlich wütend und abweisend.
    Ein ganz lässiger Typ meinte mal, mich anpöbeln zu müssen, als er mich ansprach, was ich denn grad so mache und ich etwas barsch antwortete „Lesen“ (mit Buch in der Hand). Er hat mich dann zwei Minuten ziemlich nachgeäfft und ich hab mich verspottet gefühlt.
    Manche sind aber auch ganz nett, sind nicht zu forsch und tun mir auch ein bisschen Leid, da in der Kälte zu stehen und einen so undankbaren Job zu machen.

    Ich glaube aber nicht, dass diese Masche aufgehen wird. Sicher, die Organisationen sind zwar ziemlich groß, aber die Agenturen die für diese NGOs sammeln, streichen mal ordentlich ein, bevor irgendein Geld an die Organisationen geht. Mit Arbeit für die gute Sache hat das für mich wenig zu tun. Wer spenden will, sollte das m.M direkt an die Organisation tun und sich nicht bei derartigen Infoständen anwerben lassen.

    Liebe Grüße, Daniela

    1. Liebe Daniela, danke, dass du deine Erfahrungen teilst 🙂 ich bin letztens auch darüber gestolpert, wie viel Geld eigentlich in diese Fundraising-Agenturen gesteckt wird. Das ist ganz schön erschreckend.

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