Monsanto, Nestlé und Co. boykottieren

Monsanto, Nestlé und Co boykottieren

Worauf muss ich beim Boykott achten?

Immer wenn über Monsanto, Nestlé und Co. berichtet wird – meistens nichts Gutes – wird überall lauthals nach Boykott geschrien. Nestlé privatisiert die Wasservorräte der Welt um sie für teures Geld weiter zu verkaufen, duldet Kinderarbeit, unterdrückt Proteste gegen den eigenen Konzern und gibt Tierversuche in Auftrag. Und das ist nur ein kleiner Teil des Portfolios. Monsanto vertreibt seine transgenen Hybridsaaten und Herbizide ohne Rücksicht auf Verluste, kauft kleinere Saatgut-Unternehmen auf, fälscht wissenschaftliche Untersuchungen zugunsten der eigenen Produkte, ist unter anderem verantwortlich für die hohe Selbstmordrate indischer Baumwoll-Bauern und vieles mehr.

Produkte erkennen

Oft scheitert der Boykott schon daran, dass man gar nicht weiß, wo diese Unternehmen überall ihre Finger im Spiel haben. Und daran, dass man gar nicht weiß, wie die Produktpalette überhaupt aussieht. Wusstest Du zum Beispiel, dass das Katzenfutter „Felix“ von Nestlé ist? Oder „Maggi“, oder „Mövenpick“, oder „Thomy“, oder „Vittel“, oder „After Eight“, oder „Bübchen“, oder „Buitoni“? Das sind doch alles Marken, an denen kommt man im normalen Supermarkt kaum vorbei. Eine komplette Liste der Nestlé-Marken gibt es hier.

Monsanto und andere Hersteller gentechnisch veränderter Lebensmittel zu boykottieren ist schwieriger. Aktuell ist kein transgenes Saatgut in Deutschland zugelassen. Allerdings steht der Genmais 1507 (von Pioneer, nicht Monsanto) kurz vor der Zulassung.
Aber es gibt natürlich trotzdem jede Menge Produkte, die wiederum andere gentechnisch veränderte Produkte enthalten. Oder aber solche, die Futter aus getechnisch veränderten Pflanzen bekommen haben1. Siehe Anhang.

Großkonzerne nebeneinander im Regal

Es bringt aber nichts, nur eine Marke oder ein Unternehmen zu boykottieren, wenn man dann Waren eines Konkurrenz-Unternehmens kauft, das genauso drauf ist. Wenn ich im Supermarkt einkaufen gehe und Nestlé bewusst boykottiere, dann kaufe ich statt Maggi halt Knorr. Damit bewirkt so ein Boykott rein gar nichts.

Die beiden größten Lebensmittel-Konzerne sind Nestlé und Unilever (Schon mal gehört? Vielleicht nicht. Zu Unilever gehört Knorr, Pfanni, Axe, Mondamin, Langnese, dusch das, Dove und viele andere.). Unilever hat mindestens genauso viel Dreck am Stecken wie Nestlé. So läuft das in großen Konzernen. Dann gibt es noch Ferrero mit Nutella, Duplo, Kinder Schokolade und Co. Und viele weitere mehr!

Mehr als nur Boykott

Wenn ich sicher gehen will, dass keine Gentechnik in meinem Produkt ist, dann muss ich einfach mehr tun als nur einen Konzern boykottieren. Und wenn ich will, dass für mein Essen weder Mensch, noch Tier, noch Umwelt zu schaden kommen, dann muss ich einfach mehr tun, als nur einen Protestschrei loslassen. Das hilft wirklich, wirklich nur dem eigenen Gewissen, aber sonst niemandem. Ich als Verbraucher habe richtig viel Macht durch meine Einkaufsentscheidungen. Aber die muss ich auch nutzen, wenn ich will, dass sich etwas ändert.

Mittlerweile kaufe ich so gut wie nur noch Bio-Produkte und mich gruselt es regelrecht, wenn ich die Zutatenliste in einem normalen Supermarkt durchlese. Da vergeht mir echt der Appetit! Bio ist aber nicht nur was für Besserverdiener, sondern klappt auch, wenn man wenig Geld zur Verfügung hat. Das zeigt Rosa Wolff in ihrem Buch Arm aber Bio.

Natürlich ist Bio nicht das Ende aller Weisheit und gerade bei Bio-Marken in Supermärkten kann man sich sicher sein, dass diese gerade die Bio-Mindeststandards erfüllen. Aber Bio einkaufen ist ein erster Schritt. Nicht nur in Richtung mehr Gesundheit, besseres Essen, mehr Transparenz, sondern auch in die Richtung, Lebensmittel wieder wert zu schätzen.

Weiterführendes

Hier findet ihr einige Listen mit gentechnisch veränderten Produkten und „sicheren“ Produkten:
Gentechnik in Nahrungs- und Lebensmitteln (Liste der Agrargruppe von attac Wuppertal – Daten von Greenpeace)
Essen ohne Gentechnik (Einkaufsratgeber von Greenpeace)

Auf dieser Website (auf englisch) werden Ereignisse auf der ganzen Welt gelistet, wo illegal gentechnisch veränderte Lebensmittel angepflanzt, importiert, etc. werden, wo dadurch Saatgut verunreinigt wurde und wo es negative Auswirkungen beim Anbau gab: GM Contamination Register

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  1. D.h. Tiere, die gentechnisch verändertes Futtermittel bekommen, deren Fleisch verzehrt wird, und deren Milch getrunken wird []

11 Kommentare

  1. Von den für den Verbaucher sichtbaren Konzernen steht Nestle schon ziemlich exponiert da, bei vielen fragwürdigen Praktiken stehen sie nunmal besonders oft vorne dran (fällt z.B. auch in der oben genannten Liste auf).

    Knifflig ist aber daß solche Konzerne größtenteils nicht von selbst wachsen, sondern vor allem durch Ein- und Zukäufe von zuvor unabhängigeren Firmen. Werden diese nun plötzlich schlechter weil sich die Besitzverhältnisse gewechselt haben? Oder doch nicht?
    Andererseits haben Großkonzerne eine ziemlich breite Produktauswahl – von Waren die von Inhalt und Herstellung recht akzeptabel sind bis hin zu Erfindungen mit denen letzlich neu ausgelotet wird wie weit man die Gewinnmaximierung um jeden Preis noch treiben kann. Sind diese nun alle gleich boykottwürdig weil derselbe Hersteller dahintersteckt, oder nur die fragwürdigeren Produkte weil man damit eher zeigt daß es einem nicht egal ist was drin und dahitner steckt?

    Und ist eine kleinerer unabhängiger Betrieb wirklich besser? Über die Arbeitsbedingungen sagt Ort und Größe allein noch nichts auf, und selbst wenn es da ordentlich zugeht ist immer noch die Frage wie dessen Einkaufsverhalten aussieht – wenn Zutaten, Saatgut oder chemische Produkte auf dem freien Markt gekauft werden stecken am Ende doch wieder besagte Großkonzerne oder zumindest deren Praktiken mit drin.

    Bei Bio-Produkten ist es auch so eine Sache – gerade bei reinen Importprodukten kann es durchaus sein daß die erzeugung selbst zwar ordentlich ist, durch die vernderte Lage vor Ort aber andere Waren verstärkt aus fragwürdigen Quellen besorgt werden. Je größer und komplexer strukturiert ein Anbieter wird desto mehr steigt auch die Gefahr daß nicht mehr alles so sauber verläuft wie es eigentlich sein sollte.

    Heißt letzlich daß sich nur im Einzelfall entscheiden läßt welche Erzeuger man mit dem Kauf seiner Produkte fördern möchte bzw. wie weit man in welcher Hinsicht Kompromisse eingehen will. In meinem Fall wären das überwiegend Obst und Gemüse sowie gelegentlich Eier von lokalen Kleinerzeugern (die ihre Sachen auch selber essen), Tee gibts vom Weltladen, Milchprodukte (selten) vom Bioladen.
    Ab und an (so alle zwei Monate) muß dann doch ein Supermarktbesuch für Mehl/Reis/Zucker/Margarine o.Ä. an, da schau ich aber eher darauf daß keine unnötigen/unerwünschten Zusatzstoffe drin oder unnötige Verpackungen drumherum sind als auf den Hersteller. Aktuelles Ärgernis: Selbst in gut sortierten Supermärkten gibts mitunter vieles was bislang in Glas verpackt war nur noch in Plastik…

  2. Viele von uns gärtnern ja und können zumindest einen Teil ihrer Lebensmittel selbst erzeugen.
    Getreu dem Motto
    “Man schafft niemals Veränderungen, indem man das Bestehende bekämpft. Um etwas zu verändern baut man neue Modelle, die das Alte überflüssig machen.” (Buckminster Fuller)
    vergeude ich keine Zeit damit, die destruktiven Firmen zu bekämpfen, sondern schaffe mit den Saatguttauschboxen (www.freiessaatgut.de) neue Strukturen, die allen den Zugang zu samenfesten Gemüsesorten ermöglichen. Gleichzeitig sind die Saatgutboxen Gesprächsanlass und Mittel zur Bewusstseinsbildung. Und ich finde es ganz wichtig, so aus der vermeintlichen Opferrolle heraus und die des Handelnden hinein zu gelangen.
    Wir sind die, auf die wir schon immer gewartet haben 🙂

  3. Heute, Rewe Werbung: Schutz der Tier-und Planzenwelt Aktionswoche! Bienen retten/ mit Nabu/ Naturland/ Prop Planet und Unilever im Einsatz für unsere Tier- und Pflanzenwelt???? Mit Marken wie Knorr, Bertolli, Rama, Pfanni usw. Unterstützt Unilever den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt??? Alles mit Monsanto’S Hilfe!?! Lässt sich Nabu und Naturland schon vor Unilever’s und Monsanto’S Karren spannen?

  4. Pingback: IGA 2017 identifiziert sich mit Kinderarbeit bei Nestlé #Werbevertrag | Keinzaun Kienberg-Wuhletal
  5. Der Artikel ist spannend, vor allem die Hintergründe.
    Ich kaufe grundsätzlich, wenn es geht, nur saisonale Frischware ein und koche für den nächsten Tag vor. Somit kann ich auch das fertige Kantinen-Essen umgehen, von welchem ich immer Bauchkrämpfe bekam. Es gibt viele Menschen, die das belächeln und so viele E’s und so weiter zu sich nehmen.
    Komisch ist nur, dass ich trotz gesunder Ernährung und mindestens 2 x wöchentlich Sport seit Jahren leichtes Übergewicht habe. Und solche Menschen, die rauchen und sich ungesund ernähren schlank sind. Nun gut, das am Rande. Nur wer wirkliches Interesse für dieses Thema mitbringt, wird sein Verhalten ändern. Viele Konzerne haben eine Machtposition, wenn es um die Ernährung und damit auch um die Gesundheit aller Menschen geht, die die Fertigwaren verzehren. Das ist ein Kreislauf. Das spiegelt sich auch in anderen Bereichen wieder. Die Menschen werden abgelenkt und faul gemacht. So das keine Nachfragen kommen. Nur Querdenker durchschauen es.

  6. Hallo! Mich würde interessieren, welche Marken ich aus dem Supermarkt ich dann überhaupt noch kaufen kann. Sicherlich kann man das umgehen, in dem man das empfohlene Kochbuch benutzt – aber was ist mit Pflegeprodukten und Süßigkeiten etc.? Schließlcih ist durch greenpeace vor kurzem auch erst ans licht gekommen, dass angebliche bio-produkte wie alverde von dm genausov viel plastikpartikell in ihren produkten verwenden, wie andere hersteller auch.

    Über eine antwort würde ich mich sehr freuen.

    Liebe Grüße,

    Natalie

    1. Hallo Natalie,

      Für Pflegeprodukte gibt es Naturkosmetik Siegel, wie z.B. BDIH, die bestimmte Kriterien erfüllen müssen: https://utopia.de/siegel/bdih-kontrollierte-naturkosmetik/
      Shampoo kaufe ich z.B. gerne bei LUSH: https://de.lush.com/
      Auch Süßigkeiten gibt es in Bio- und Fairtrade Qualität, mittlerweile auch im Supermarkt. GEPA ist z.B. eine bekannte Fairtrade Marke. Hier gibt es eine Liste von Schokoladen-Marken, die auf bestimmte Kriterien geprüft wurden in Bezug auf Kinderarbeit: https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/firmen/produkte/schokolade/

      Für mich ist es jedesmal eine neue Entscheidung zwischen Selbermachen oder ein Produkt kaufen, das bestimmten Richtlinien entspricht. Ich habe schon Deo selbergemacht und Zahnpasta und wasche Wäsche mit Efeu. Auf dieser Seite gibt es viele Tipps zum Selbermachen: http://www.smarticular.net/

      Außerdem überlege ich auch, was ich wirklich brauche. An Pflegeprodukten verwende ich nur: Seife, Shampoo, Zahnpasta, Deo, Sonnencreme und Schaumbad (Luxus-Zugeständnis). Süßigkeiten versuche ich als etwas Besonderes zu sehen, was es nicht jeden Tag geben muss. Natürlich klappt das mal besser und mal schlechter. Grad eher schlechter 😉

      Und an diesen Siegeln gibt es natürlich immer mal wieder Kritik. Das finde ich auch wichtig. Gleichzeitig denke ich doch, dass diese Siegel wie BDIH, Natrue, Fairtrade und Co. es versuchen besser zu machen und in jedem Fall die bessere Alternative sind.

      Konsumentscheidungen sind nicht einfach, wenn man es „richtig“ machen will. Das kostet viel Zeit und Energie. Vielleicht hilft es, erstmal bei einem oder wenigen Produkten, die du häufig benutzt, Alternativen zu finden, die für dich passen. Und nach und nach neu zu schauen, wo du Lust hast, etwas zu verändern 🙂

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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