Nachrichten-Diät – Leben ohne Nachrichten

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Artikel vorlesen lassen:

Ich schaue keine Nachrichten, lese keine Nachrichten und höre auch keine Nachrichten. Früher habe ich über Facebook noch einiges gelesen, aber selbst das hat jetzt abgenommen, weil ich ja Facebook meide.
Trotzdem bekomme ich noch einiges mit. Wenn z.B. mein Partner nach Hause kommt und sagt: hast du schon gehört, dass…

Ganz ehrlich, ich bin froh darüber, dass ich keine Nachrichten konsumiere. Und zwar aus folgendem Grund:

Die allermeisten Nachrichten sind negativ. Außerdem kann ich absolut nichts dagegen tun. Was passiert also, wenn ich davon höre? Meine Stimmung drückt sich, ich werde vielleicht sogar wütend, ich fühle mich hilflos, eventuell fühle ich mich auch unter Druck. Oder aber: ich zucke die Schultern, lass es an mir abperlen, werde zynisch und stumpfe ab.
Beides kostet Energie, die ich anderweitig sinnvoller einsetzen kann. Beides lässt mich in einem Zustand von Hilflosigkeit verharren, der mich lähmt.

Und ich will mich nicht lähmen lassen. Ich will mich mit den Themen auseinandersetzen, an denen ich im Hier & Jetzt arbeiten kann und wo ich etwas bewegen kann. Dafür brauche ich keine Nachrichten.

Die andere Seite: wozu Nachrichten doch gut sein können

Wie vieles andere, hat auch die Nachrichten-Diät zwei Seiten. Denn manchmal wird von Dingen berichtet, die kann ich beeinflussen, da kann ich etwas tun. Manchmal sogar ganz einfach, indem ich z.B. gegen TTIP & CETA unterschreibe. Das wäre blöd, das zu verpassen. Aber andererseits bedeutet meine Nachrichten-Diät ja auch nicht, dass ich nichts mehr von der Welt mitbekomme. Dafür sorgen Freunde, Familie und Bekannte schon.

Und dann gibt es die Funktion von Nachrichten als Mittel zur politischen Bildung. Dafür eignen sich vor allem Wochen- und Monatszeitungen, bei denen es weniger um Aktualität, als um Tiefe geht.

Nachrichten vs. Informationen

Bei dem Thema ist mir aber auch wichtig, zwischen „mich informieren“ und „Nachrichten konsumieren“ zu unterscheiden. Wenn mich ein Thema interessiert und mich betrifft, dann kann ich mich ja völlig unabhängig von den aktuellen Nachrichten darüber informieren. Das kann durchaus auch zu dem Zwiespalt zwischen „sehr emotional betroffen sein“ und „abgestumpft werden“ führen. Aber „sehr emotional betroffen“ sein, kann auch zu Tatkraft führen – wenn es nicht ständig passiert. Die allermeisten von uns haben nun mal keine endlosen Kapazitäten für Betroffenheit und Mitgefühl. Für mich kann ich sagen, dass ein ständiger schlechter Nachrichtenstrom zu Überforderung und Abstumpfung in mir führt – und zu Lethargie.

Es gibt auch gute Nachrichten

Wer gerne Nachrichten liest, sich aber nicht runterziehen lassen will, der/die kann ja auch gute Nachrichten lesen. Ich war selber ganz erstaunt zu sehen, dass es mittlerweile einige „Gute Nachrichten“-Portale gibt.

newslichter – Gute Nachrichten online
Gute Nachrichten …braucht der Mensch!
good-stories.de
Gezeitenwende
Good News | für mehr gute Nachrichten

Leider sind keine davon wirklich umfassend.

Aktuelle Nachrichten

Trotz aller „Vorkehrungen“ habe ich natürlich vom Amoklauf in München und dem Anschlag in Ansbach mitbekommen. Es spricht ja jeder davon. Wenn ich mich jetzt tiefer damit auseinandersetzen würde, könnte ich sicherlich Mitgefühl für die Angehörigen, die Opfer und Täter aufbringen. Aber wozu? Das verpufft doch, ohne irgendwo anzukommen.

Mich gruselt es vor mir selbst ein wenig, wenn ich das schreibe, immerhin ist Mitgefühl ein hoher Wert für mich. Aber so ist es eben gerade: obwohl München und vor allem Ansbach räumlich so nah sind, fühlt sich das ganze für mich extrem weit weg an. Und mich damit zu beschäftigen, kommt einem Kraftakt gleich, den ich gerade nicht bereit bin zu tun. Denn wozu auch? Kein Mensch hat etwas davon, wenn ich mich dem aussetze.

Ist eine Nachrichten-Diät nicht egoistisch?

Tatsächlich fühle ich mich schon ein bisschen schlecht, wenn ich sage: ich will das gar nicht hören.

Aber: Ich glaube, dass wir alle ohne diese Flut von schlechten Nachrichten besser dran wären.

Wir könnten uns darauf konzentrieren, Dinge zu ändern, die wir ändern können – anstatt über Dinge zu meckern, die wir nicht ändern können.

Wir könnten unser Mitgefühl dorthin kanalisieren, wo es ankommt – anstatt es verpuffen zu lassen.

Wir könnten aktiv werden für eine bessere Welt – anstatt uns von den schlechten Nachrichten lähmen zu lassen.

Wir könnten persönlich Nachrichten austauschen, die uns betreffen – anstatt Nachrichten zu konsumieren, die uns nicht betreffen.


Wie geht es Dir damit? Kannst Du meine Gedankengänge nachvollziehen? Hast Du Erfahrungen mit Nachrichten-Diäten gemacht? Oder ist es für Dich völlig unvorstellbar, auf Nachrichten zu verzichten?

Nachtrag 13.08.2016: Nachrichten als Mittel zur politischen Bildung zur Differenzierung hinzugefügt

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8 Kommentare

  1. Hallo =)

    deine Ideen kann ich sehr gut nachvollziehen! Mir geht es auch so, dass ich zu viel über negative Nachrichten nachdenke und mich hilflos fühle.

    Vor einem Monat hat eine Online-Zeitung gestartet, die genau das vorhat, was du beschreibt: positivere und konstruktivere Nachrichten zu produzieren, die am Ende jedes Artikels auch Handlungsideen haben, was jeder Einzelne tun kann, um die Situation zum Besseren zu wenden. Es gibt jeden Tag nur einen Artikel. Bis jetzt finde ich es wunderbar, jeden Tag ein anderes Thema vorgestellt zu bekommen. Dieses dann ausführlicher. Statt immer nur kleine Fetzen von schlimmen Dingen zu hören.

    Hier der Link zu der Seite, vielleicht ist es ja auch was für dich: https://perspective-daily.de

    =)

    Liebe Grüße

    die Smileykiste

  2. Oh ja, mir geht es da ähnlich wie dir.
    ich mache jetzt keine ausgesprochene Nachrichtendiät, aber mein Bestreben mindestens einmal am Tag die Tagesschau oder heute oder ähnliches zu schauen hat deutlich nachgelassen.
    Die Medien sind wie ich finde wahnsinnig aggressiv (so empfinde ich es zumindest), schlimme Nachrichten müssen dringend mit 27 Interviews, Live-Berichterstattern, und einem 30minütigen Brennpunkt ausgewalzt werden, im Anschluss noch 3 Diskussionsrunden zum Thema. So lange bis man es nicht mehr hören kann.
    Und klar sind diese Anschläge furchtbar, aber im Moment schafft es jeder Durchgeknallte in die Hauptnachrichten und erhält dadurch die gewünschte Aufmerksamkeit, was möglicherweise auch wieder Nachahmer schafft.
    Ich glaube es ist eine gute Idee noch ein bisschen bewusster zu diäten, und sich auf die wichtigen Dinge im direkten Umkreis zu kümmern.
    LG Ute

    1. Liebe Ute,
      Danke für deinen Beitrag mit den anschaulichen Beispielen, wie besonders schlimme Nachrichten gerade ausgereizt werden. Genau das ist es, von dem ich denke, dass es uns hindert und beschränkt in unserem Aktionsspielraum.
      Dagegen bin ich nochmal ins Nachdenken gekommen, weil ich sehr allgemein von Nachrichten gesprochen habe. Was ich hingegen durchaus als sinnvoll erachte, ist sich über gut recherchierte Wochen- und Monatszeitungen politisch und gesellschaftlich Meinungen zu bilden.
      Alles Liebe,
      Sabrina

  3. Hey 🙂

    Mir geht’s so wie dir, ich schaue / höre / lese auch keine Nachrichten mehr (wie du ja auch erwähnt hast, vieles bekommt man natürlich trotzdem mit). Ich weiß gar nicht, wie lange ich das schon mache, aber es fühlt sich so wesentlich besser an.

    Vielen Dank für den Beitrag und ein ganz großes Dankeschön für deinen tollen Blog! 🙂

    Liebe Grüße

    1. Hey du, freue mich, dass mein Blog eine Bereicherung für dich ist 🙂 Ich bin gerade nochmal am Überdenken bzgl. des Artikels, weil ich denke ich etwas zu allgemein geschrieben habe.

  4. Das hat mich jetzt etwas zum Nachdenken gebracht… zuerst wollte ich zustimmen daß in den Medien fast nur schlechte Nachrichten kommen, hab dann aber mal genauer hingeschaut was denn so in einer üblichen Tages- oder Wochenzeitung drinsteckt: Nur etwa ein Viertel waren wirklich schlechte Nachrichten, der Großteil war entweder mehr oder weniger hängt auch von der persönlichen Sichtweise und Betroffenheit ab) neutral, und etwa ein weiteres Viertel positiv.
    Liegt also wohl eher an der subjektiven Wahrnehmung (schlimme Dinge wirken stärker und sprechen sich auch mehr herum), als auch daran daß die guten Nachrichten vordergründig weniger spekaktulär sind als Revolver- und Katastrophenthemen.

    Generell ziehe ich meine Informationen vor allem eher aus der Wochenzeitung und monatlichen Zeitschriften als den topaktuellen elektronischen Medien – alte Neuigkeiten sind zwar nicht mehr wirklich frisch, aber dafür haben sie auch deutlich mehr Kontext als eine Liveübertragung oder Newsticker der zwar direkt dabei ist, aber in der Regel keinerlei wirklich nützliche Information enthält.

    Komplett auf Nachrichten zu verzichten finde ich eher problematisch:
    Man steckt auch so schon tief in der Wahrnehmungsblase drin die sich aus dem sozialen wie interessenbezogenen Umfeld ergibt, wenn man dann sämtliche Informationen auch nur noch durch diese Blase gefiltert bezieht entgehen einem andere Ansichten und Realitäten noch stärker als es ohnehin schon der Fall ist.
    Gerade das wichtige „zwischen den Zeilen (unerschiedlicher Nachrichtenanbieter) lesen“ funktioniert eigentlich nur dann am besten wenn man es selber macht.

    1. Lieber Sterni,
      Danke für deine Gedanken dazu! Ich bin auch nochmal ins Nachdenken gekommen zu dem Artikel, nachdem ich mit jemandem ausführlicher darüber geredet habe, der mir seine Gedanken dazu geschildert hat. Was ich am ehesten im Kopf hatte, als ich den Artikel geschrieben habe, waren Online-Nachrichten. Das sind die, von denen ich noch am ehesten etwas mitbekomme. Aber völlig außen vor ließ ich dabei Wochen- und Monatszeitungen, die durchaus wertvolle Informationen beinhalten können, die zur politischen und gesellschaftlichen Bildung beitragen, gerade weil da mehr Recherche drin steckt. Sobald ich den Kopf frei habe dafür, werde ich mal noch ein bisschen umschreiben.

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