Ökologisch verreisen in England: Isles of Scilly

Ökologisch verreisen in England

Urlaub ist so eine Zeit, da denkt man: ich muss mir mal wieder was gönnen. Oder: das hab ich mir verdient. Das heißt: wenig Umstände, all inclusive und ganz oft leider auch: Flugreise!

Da aber eine Flugreise so ziemlich das Schlimmste ist, was wir unserer Umwelt antun können, finde ich es nur legitim, da auch im Urlaub mal nach Alternativen zu suchen. Wann kann man sich schließlich Zeit nehmen, wenn nicht im Urlaub? Und heißt es nicht so schön: der Weg ist das Ziel?

Reise zu den Isles of Scilly

In diesem Jahr sind wir auf die Isles of Scilly1 in den Urlaub gefahren – eine Inselgruppe ganz im Südwesten von England. Zunächst mit der Deutschen Bahn nach Brüssel, dann umgestiegen in den Eurostar durch den Channel Tunnel nach London und dann ging es weiter mit dem Sleeper Nachtzug nach Penzance in Cornwall. Und von dort aus sollte uns dann die Fähre zu den Inseln bringen. Klingt ganz schön umständlich, oder? Andererseits: es lassen sich hervorragend Zwischenstopps einbauen, z.B. in London, um dort abends schön essen zu gehen, bevor der Zug kommt. Und es ist relativ entspannt, wenn man nicht allzu viel Gepäck hat und etwas mehr Zeit zum Umsteigen einplant, als normalerweise notwendig wäre. Denn die Bahn kommt immer zu spät. Der Nachteil: man ist deutlich länger unterwegs. Zwei Tage jeweils für Hin- und Rückreise muss man schon einplanen2.

Eigentlich hätten wir also eine gute Reise haben können. Wäre da nicht der Nachtzug gewesen, der in der früh um 7 Uhr mitten in der englischen Pampa einfach nicht mehr weiterfährt: Zugschaden. Nach zwei Stunden Wartezeit kamen wir dann endlich im nächsten Bahnhof an. Leider hieß das für uns: wir haben die Fähre verpasst und mussten am Ende doch fliegen, um noch am selben Tag auf der Insel anzukommen!3

Unser Urlaubsort – Mehr Öko geht kaum

Dann kamen wir also an, an unserem Öko-Urlaubsort. Denn wenn schon öko, dann richtig: wir machten Urlaub in einer Jurte4 und hatten zu unserer Verfügung:

  • eine Outdoor-Küche
  • eine Kompost-Toilette
  • eine Solardusche
  • einen Holzofen
  • ein Solar-Handy-Ladegerät

Keinen Strom, kein Internet.
Empfangen wurden wir von unseren ultra-netten Gastgebern Claudia und Jonathan mit einem Korb voll mit Bio-Gemüse, das auf der Insel angebaut wurde. Das ist Öko und Luxus in einem. Und was wirklich besonders ist: alles war nachhaltig mitgedacht. Gebrauchte Möbel und Gebrauchsgegenstände, regionales, nur mit Leinöl behandeltes Holz, solarbetriebene Lichterkette, Büchersammlung mit Öko-Themen und ein Transition Handbook.

Das Freizeit-Angebot war vielfältig: Schwimmen (*brrr*), Wandern, Schnorcheln, Sonnenbaden, Boot fahren, Robben beobachten, Sightseeing auf den Nachbar-Inseln. Da war so einiges möglich. Wir haben uns auf „Wandern“, „Brettspiele spielen“ und „Sonnenbaden“ beschränkt, da ich die Hälfte des Urlaubs krank war.

Ich empfand den Urlaub wie Zelten in einer Luxus-Variante. Dadurch, dass es kein elektrisches Licht gab und nur eine solarbetriebene Lichterkette und Taschenlampen, haben wir uns schnell an einen natürlichen Schlaf-Wach-Rythmus angepasst und mal eben so 10 Stunden pro Tag geschlafen. Dadurch, dass es kein Internet oder Fernsehen gab, gab es Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Entspannen, Zeit für Gespräche, Zeit, die Energietanks wieder aufzuladen.

Unsere Wanderungen führten uns kreuz und quer über die Insel St. Martin’s, wo unsere Jurte stationiert war. Besonders fasziniert hat mich die Vegetation auf der Insel: Heide und Farn auf der einen Seite, Palmen und Sukkulenten5 auf der anderen Seite. Und wunderbare Sandstrände…

Und wenn man doch mal unbedingt ins Internet muss: vor Ort ist eine Community Hall mit frei verfügbarem WLAN. Außerdem kann man dort Bücher lesen, Musik hören, Spiele spielen oder Sport machen.

Mein Fazit zum Öko-Urlaub in England

Fazit: Toller Öko-Urlaub, aber man sollte mindestens zwei Wochen buchen, sonst ist man mehr unterwegs als dort. Die Reisekosten können sich auch sehen lassen. Daher: unbedingt frühzeitig Bahnfahrten buchen, auch für Züge oder Busse in England. Bei unvorhergesehenen Zwischenfällen ist es sinnvoll ein funktionierendes Handy und eine Kreditkarte dabei zu haben6.

Mögliche Low-Budget-Variante: Trampen (dafür mehr Zeit einplanen) und vor Ort zelten. Auf der Insel gibt es auch einen Zeltplatz. Um die 49 Pfund für die Fähre zur Insel wird man aber wohl kaum rumkommen. Und auch für jede Fahrt von einer Insel zur anderen, berappt man 5 Pfund.

Öko-Urlaub in England - Outdoor Küche
Outdoor-Küche: hier haben wir jeden Tag mit frischem Bio-Gemüse gekocht

Öko-Urlaub in England - gemütliche Jurte
Gemütlicher Holzofen in der Jurte

Öko-Urlaub England - Kompostklo und Solardusche
Kompostklo und Solardusche

Öko-Urlaub in England - Strand

Öko-Urlaub in England White Island

Öko-Urlaub in England - Palmen

  1. genauer gesagt: St. Martin’s []
  2. Wenn man aus Süddeutschland kommt. Fährt man z.B. von Köln ab, ist man mit dem Eurostar in Nullkommanix in London []
  3. Mit der Fähre wäre es tatsächlich umweltfreundlicher gewesen. Die Fähre stößt etwa 38g CO2 pro Person pro km aus. Das Flugzeug dagegen 146g CO2 pro Person pro km. Als ca. 4mal so viel 🙁 Die Werte sind berechnet anhand von Verbrauchswerten von ähnlichen Flugzeugmodellen und anhand der Verbrauchswerte ähnlicher Schiffsmotoren, da es keine Informationen zu der Fähre Scillonean III und dem Skybus online gibt. []
  4. eine Art stabiles Rundzelt []
  5. Wikipedia []
  6. hatten wir natürlich beides nicht []

2 Kommentare

  1. Hallo Sabrina,
    das ist ja ein toller Reisebericht. Was die Hütte angeht finde ich vor allem das durchsichtige Dach eine tolle idee! Damit wird der Raum schön hell und man fühlt sich der Natur noch näher.

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