Tierschützer – Sentimentalisten, Extremisten oder einfach nur normale Menschen?

Rinder im Stall

Dieser Artikel ist älter als 3 Jahre. Es kann sein, dass die darin enthaltenen Informationen nicht mehr ganz aktuell sind und ich ihn heute anders schreiben würde.

Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. (§1 TierSchG)

Tierschutz kann aus den unterschiedlichsten Motiven beginnen, so Jugendleiterin Angelika Bublak der Tierschutzjugend Erding. Manche der Kinder und Jugendlichen mögen z.B. Katzen und setzen sich dafür ein, dass Streuner kastriert werden und im Tierheim gut vermittelt werden können. Andere wollen, dass Tiere nicht gegessen werden. Oft ist es eine Mischung aus verschiedenen Beweggründen, die dazu beitragen, dass sich Menschen im Tierschutz engagieren.

Wissenschaftlich fundierter Tierschutz kommt dagegen komplett ohne „mögen“ und „lieb haben“ aus. So zum Beispiel am Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung an der LMU München, der auf höchsten wissenschaftlichen Niveau erforscht, was artgerecht für welche Tierart bedeutet und wie sich welche Haltungsformen auf die Tiergesundheit auswirken. Auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz setzt auf Fachwissen statt Sentimentalität.

Tierrechtliche Organisationen, wie z.B. die Menschen für Tierrechte, gehen noch einen Schritt weiter: statt die Tierhaltung nur zu verbessern, wollen sie, dass die Tierhaltung gänzlich abgeschafft wird. Diese Organisationen gehen davon aus, dass Tiere bestimmte Rechte haben, wie wir Menschen, die ebenso unveräußerlich sind und nicht – wie im Tierschutzgesetz – verklausuliert werden dürfen.
Es ist logisch, dass Tiere nicht exakt dieselben Rechte haben müssen wie wir Menschen, aber an der Stelle, wo wir die gleichen Bedürfnisse – Leben, körperliche Unversehrtheit, Freiheit – haben, ist es wichtig, dass wir auch die gleichen Rechte haben.
Mit Rechten ist hier nicht das Recht gemeint, das im Gesetz verankert ist, sondern das moralische Recht. Ebenso wie der tiermedizinische Tierschutz haben nämlich auch die Tierrechte ein wissenschaftliches Standbein. Das steht jedoch nicht nur in der Biologie, sondern vor allem in der Philosophie.
Im Vordergrund steht dabei die Frage:

Gibt es eine moralisch relevante Eigenschaft, die Menschen – und zwar alle Menschen – haben, Tiere aber nicht?

So eine Eigenschaft könnte sein:

  • Intelligenz: Kleinkinder, geistig Behinderte und Demenzpatienten haben ein eingeschränktes Maß an Intelligenz. Manche Tiere können ihnen das Wasser reichen oder übertreffen sie noch.
  • Selbstreflexion: Es wird allgemein angenommen, dass Kleinkinder bis zu einem Alter von 2 Jahren noch kein Ich-Bewusstsein haben. Bestimmten Affen wird hingegen ein Ich-Bewusstsein zugeschrieben. Problematisch dabei ist, dass es keine Möglichkeit gibt, Bewusstsein – und Ich-Bewusstsein im Speziellen – bei Tieren zu beweisen. Und auch bei Menschen muss man sich auf sprachliche Hinweise stützen.
  • Sprache: Stummen das Recht zu Leben abzustreiten, führt wahrscheinlich auch zu weit.
  • Empfindungsfähigkeit: Ich denke, wir können uns darüber einig werden, dass alle Menschen empfindungsfähig sind. Aber halt: Tiere ja auch.

Tatsächlich gibt es keine trennende Eigenschaft, die moralisch relevant ist. Es gibt nichts, was jeder Mensch hat, aber kein Tier. Wenn man nun also nicht bestimmten Menschen ihre Grundrechte nehmen möchte, muss daraus folgen, dass Tieren dieselben Grundrechte zugestanden werden müssen, wie Menschen. So der Beweis von Mylan Engel aus dem Buch Tierrechte, stark vereinfacht.

Während also die einen sich dafür einsetzen, den Tieren ein möglichst artgerechtes Leben zu ermöglichen, wollen die anderen die Nutztierhaltung komplett abzuschaffen. Trotz dieser unterschiedlichen Ziele sind die Methoden der Engagierten ähnlich. NGOs wie der Deutsche Tierschutzbund oder der Vebu engagieren sich in der Politik und betreiben Lobbyarbeit für die Tiere. Engagierte Tierschützer veranstalten Demonstrationen, Info- und Probierstände und vegan-vegetarische Feste oder halten Vorträge an Universitäten, Schulen oder anderen Einrichtungen. Andere schrecken aber auch vor illegalen Aktivitäten nicht zurück: sie befreien Hühner aus Legebatterien oder verschaffen sich Zutritt zu Tierfarmen um die Zustände dort für die Öffentlichkeit zu dokumentieren. Illegal? Ja, denn es wird Eigentum entwendet bzw. eingebrochen. Unmoralisch? Nein, denn Tiere sind eben keine Dinge, sondern Lebewesen wie wir, deren Grundbedürfnisse nach Leben, körperlicher Unversehrtheit und Freiheit eingeschränkt werden.

Sind Tierschützer deswegen also extrem? Muss man Angst vor denen haben? Wohl kaum. Die Zeiten, als Tierschützer als verrückte Spinner galten, sind allerdings auch längst vorbei. Kaum einer dürfte heute noch bestreiten, dass Tiere ebenso wie wir Menschen empfindsame Lebewesen sind. Wenn man deshalb Mitgefühl zeigt, hat das nichts mit Sentimentalität zu tun. Und wenn man wütend ist, ob des Unrechts das den Tieren widerfährt, ist das auch nicht extrem. Sondern normal.

1 Kommentar

  1. Die Tierschützer kann man verstehen. Denn sie stellen Tiere manchmal auf einer Stufe. Das ist aber eine erschreckende Erkenntnisse fern jeglicher Realität und schon extrem!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.