Teilen statt wegwerfen

Braune Banane

Lebensmittelverschwendung in Deutschland

Lebensmittelverschwendung ist ein großes Thema, spätestens seitdem der Dokumentarfilm „Taste the Waste“ in die Kinos kam. Da wird gezeigt, wie Kartoffeln, die nicht der Industrienorm entsprechen, auf dem Feld liegen gelassen werden. Es wird gezeigt, wie Lebensmittel im Supermarkt, die dem Mindesthaltbarkeitsdatum zu Nahe rücken, in den Müll geworfen werden und wie Unmengen an Brötchen und Brot nach Ladenschluss im Müllcontainer landen. Tonnen von einwandfreien Lebensmitteln werden weggeworfen, weil sie zu groß oder zu klein, zu krumm oder zu gerade, zu braun oder zu grün sind. Diese Lebensmittel werden teilweise aus Ländern importiert, in denen Menschen Hunger leiden, nur um bei uns in der Mülltonne zu landen. Dieser Gedanke allein empört schon und lässt nachdenklich werden.

Wer wirft die meisten Lebensmittel in die Tonne?

Warum aber geht man in Deutschland und anderen Industrieländern so nachlässig mit Nahrungsmitteln um? Wird der Wert von Nahrung nicht mehr geschätzt, weil sie im Überfluss da ist? Und wer ist eigentlich daran schuld, dass so viel weggeworfen wird? Kann sich der Konsument nach hinten lehnen, die Arme verschränken und die Schuld kategorisch von sich weisen? Wohl kaum. Aber vielleicht ist es auch nicht immer wichtig, den Schuldigen herauszufinden. Sicher ist jedoch, was wir alle erwarten, wenn wir in den Supermarkt einkaufen gehen, egal ob es Montagmorgen oder Samstagabend ist: Regale voll mit Lebensmitteln aus aller Welt, immer dieselben, egal ob sie gerade Saison haben oder nicht. Wenn es keine Zucchini mehr aus Deutschland gibt, dann gibt es eben welche aus Spanien, und wenn es dort auch keine mehr gibt, dann werden sie aus Marokko importiert. Und auch abends erwarten wir die volle Auswahl beim Bäcker, und wenn es die nicht gibt, sind wir enttäuscht und gehen zu einem anderen. Derjenige, der den größten Überschuss an Lebensmitteln produziert und anbietet, wird vom Verbraucher belohnt.

Denn dieser Verbraucher ist verwöhnt. Er hat gelernt, dass er alles bekommen kann, was sein Herz begehrt, egal wann und egal wo. Und da konventionelle Lebensmittel auch nicht teuer sind, kann man ruhig mehr kaufen als man gerade braucht. Was nicht gegessen wird, wird weggeworfen. Auf die paar Cent kommt es ja auch nicht an. Und so kommt es, dass tatsächlich mehr Lebensmittel von Privathaushalten weggeworfen werden, als von Industrie und Handel zusammen, wie eine Studie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirdschaft und Verbraucherschutz feststellte (2012). Insgesamt geht man von 4,34 Millionen Tonnen aus, die jährlich in Deutschland von Privathaushalten weggeworfen werden. Das entspricht einem Geldwert von 200-260 Euro pro Kopf und Jahr.

Das bedeutet nicht, dass Industrie und Handel nur wenig zur Lebensmittelverschwendung beitragen. Ganz im Gegenteil. Es gibt viel, was hier erreicht werden kann. Beispielsweise bieten einige Bäcker mittlerweile Brot vom Vortag zum halben Preis an, oder Supermärkte bieten Waren, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, günstiger an. Manchmal werden Waren, die für die Tonne bestimmt sind, auch an Tafeln oder ähnliche Einrichtungen gespendet. Andere Ideen sind die Einführung einer „Happy Hour“ kurz vor Ladenschluss oder das vermehrte Angebot loser Produkte, z.B. Zwiebeln und Kartoffeln, die normalerweise in 1kg-Säcken verkauft werden.
Doch auch der Konsument hat vielfältige Möglichkeiten, selbst aktiv gegen Nahrungsmittelverschwendung im eigenen Haushalt vorzugehen.

Nicht mehr kaufen, als du brauchst

Am naheliegendsten ist es natürlich, einfach nicht mehr zu kaufen als man braucht. Wer folgende einfache Regeln beachtet, hat schon viel gewonnen:

  1. Nicht hungrig einkaufen gehen: Es versteht sich von selbst, dass der hungrige Magen dafür sorgt, dass wir mehr kaufen als wir brauchen.
  2. Vor dem Einkaufen eine Bestandsaufnahme machen: Oft braucht man gar nicht so viel wie man denkt und kann aus den Vorräten zu Hause noch so manches leckere Gericht zaubern. Der US-amerikanische Unternehmer Jeff Shinabarger hat – gemeinsam mit seiner Frau – in einem Selbstexperiment sogar 7 Wochen nur von Vorräten gelebt.
  3. Essensplan für die Woche machen: Wer weiß, was es in der nächsten Woche zu essen geben soll, kauft nicht mehr ein, als geplant ist.
  4. Frische und leicht verderbliche Lebensmittel nur nach Bedarf kaufen
  5. Lieber die kleinere Packung kaufen, als die Hälfte der größeren Packung wegwerfen, auch wenn diese verhältnismäßig teurer ist

Nicht wegwerfen, nur weil das MHD abgelaufen ist!

Trotzdem passiert es, dass angebrochene Verpackungen zu lange im Kühlschrank stehen, Obst zu lange liegen bleibt, das Gemüse im Kühlfach vergessen wird oder das Mindesthaltbarkeitsdatum vom Joghurt abläuft. Wenn die Nahrung bereits angeschimmelt ist, hilft alles nichts mehr. Ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum allerdings bedeutet nicht, dass das Lebensmittel nicht mehr genießbar ist. Es sagt aus, wie lange das Lebensmittel garantiert seine Farbe, Geschmack und Geruch behält. Und auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums geht keine Gesundheitsgefahr davon aus, ganz im Gegensatz zum Verbrauchsdatum, das bei leicht verderblichen Nahrungsmitteln wie Hackfleisch angegeben werden muss.

Essen verschenken

Manchmal lässt sich aber auch absehen, dass bestimmte Nahrungsmittel nicht mehr gegessen werden, z.B. wenn sie einem nicht schmecken, oder wenn wir mehr gekauft haben, als wir essen können. Das ist der Moment, an dem wir das Ruder noch herumreißen können. Vielleicht kann der Nachbar ja noch etwas davon gebrauchen, oder die Arbeitskollegen. Und wenn wir uns mit denen nicht verstehen, gibt es seit einiger Zeit die Internet-Plattform Foodsharing.de. Das Grundprinzip ist einfach: Jeder kann einen Essenskorb zusammenstellen und anbieten oder den Essenskorb eines anderen Nutzers abholen. Das Portal ging am 12. Dezember letzten Jahres online und hat mittlerweile über 12.000 aktive Mitglieder. Die Resonanz war und ist enorm. Hochburg des Foodsharing ist Berlin. In Nürnberg und Umgebung läuft das Projekt allerdings erst langsam an. Zum Vorstand gehört übrigens der Filmemacher Valentin Thurn, der den eingangs erwähnten Dokumentarfilm „Taste the Waste“ produziert hat.

Die meisten Menschen behaupten von sich, dass sie sehr wenig wegwerfen. Ich mittlerweile nicht mehr. Ich versuche zwar besser zu planen und Nahrungsmittel weniger lang im Kühlschrank stehen zu lassen, aber es gelingt einfach nicht immer. Der erste Schritt ist es, sich dessen bewusst zu werden. Dann muss man handeln. Bei mir sah das zunächst so aus, dass ich alles, was ich auf keinen Fall mehr essen werde, bei Foodsharing angeboten habe. Als weitere Maßnahme versuche ich Reste von angebrochenen Zutaten innerhalb der nächsten zwei Tage aufzubrauchen. Da wird es schon schwieriger. Was, wenn man gerade die nächsten beiden Tage nicht zu Hause ist? Über Foodsharing findet sich hier in der Gegend innerhalb so kurzer Zeit kein Abnehmer. Das heißt, in Zukunft muss ich vorher noch besser planen, wann ich die einzelnen Zutaten verwerten kann. Aber so tastet man sich Schritt für Schritt an ein Ideal heran, von dem man vorher noch nicht mal wusste, dass es existiert.

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