Wo sind all die recycleten Plastiktüten?

Plastiktüten

Dieser Artikel ist älter als 3 Jahre. Es kann sein, dass die darin enthaltenen Informationen nicht mehr ganz aktuell sind und ich ihn heute anders schreiben würde.

(Wie) Werden Plastiktüten recyclet?

Mich hat interessiert, inwieweit aus Plastiktüten durch Recycling-Prozesse wieder Plastiktüten produziert werden können, da ich schon öfter mal nach recycleten Mülltüten oder Gefriertüten gesucht habe, aber nie fündig geworden bin. Wie das bei vielen Themen ist, gibt es auf diese Frage keine einfache und eindeutige Antwort.

Plastiktüten werden meistens aus Polyethylen (PE) hergestellt, grundsätzlich ein Kunststoff, der recyclebar ist. Dementsprechend existieren auch tatsächlich Plastiktüten, in denen recycletes Material enthalten ist. Diese können gekennzeichnet sein, z.B. durch den „Blauen Engel„. Produkte aus Recycling-Kunstoffen mit dem „Blauen Engel“ müssen einen Rezyklatanteil von mindestens 80% haben und dürfen eine ganze Menge schädlicher Stoffe nicht enthalten. Das klingt doch eigentlich ganz gut, oder?

Ich hab zu Hause mal nachgesehen. Ich habe 26 Plastiktüten aus verschiedenen Geschäften, davon haben zwei das „Blauer Engel“-Zeichen (beide von der Galeria Kaufhof) und auf einer steht „Contains recycled plastic“ (Games Workshop). Auf einigen Tüten steht auf der Unterseite, dass die Tüte aus Polyethylen besteht, diese keine gefährlichen Stoffe enthält und diese bitte ordnungsgemäß entsorgt werden soll. Auf zwei Tüten stand, dass die Tüte mehrfach benutzt werden kann und soll. Ich habe bis heute noch nie eine Einkaufstüte von unten angesehen, werde das ab jetzt allerdings öfter tun, wenn ich in die Verlegenheit komme, eine Plastiktüte in der Hand zu halten. Anscheinend gibt es recyclete Tüten aber nur als Einkaufstüten, nicht als Müll- oder Gefrierbeutel.

Nur etwa die Hälfte aller Plastiktüten wird in den Gelben Sack geworfen

Ist die Verwendung von Plastiktüten also deswegen problematisch, weil sehr wenig davon recyclet wird? Laut der Deutschen Umwelthilfe werden in Europa nur 6,6% der Plastiktüten recyclet, der größte Teil wird verbrannt (teilweise mit Energierückgewinnung) und ein kleiner Teil wird einfach weggeworfen. Für die einzelnen Mitgliedsstaaten variieren die Zahlen natürlich. Das Umweltbundesamt schätzt, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 65 Plastiktüten pro Jahr verwendet. Diese Tüten haben eine durchschnittliche „Lebensdauer“ von 25 Minuten, danach werden sie weggeworfen.

Allerdings wandern nur die Hälfte aller Plastiktüten in den Gelben Sack, ein großer Teil wird über den Restmüll entsorgt und demnach verbrannt. Der Wertstoff Plastik geht also verloren. Wie schwierig es ist, Polyethylen ohne Wertverlust zu recyclen, konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden. Oft findet jedoch beim Recyclen von Kunstoff ein sogenanntes Downcycling statt, so dass aus den ehemals hochwertigen Materialien Mischkunststoffe entstehen, die nur für bestimmte Zwecke verwendet werden können, z.B. für Farbeimer oder andere dickwandige Produkte.

Kurze Zwischenbilanz: Wir wissen nun, dass es recyclete Plastiktüten gibt, aber nicht besonders viele. Weiterhin wissen wir, dass Plastiktüten in vielen Fällen gar nicht im Gelben Sack landen, sondern verbrannt werden. Aus einem Teil davon wird wiederum Energie gewonnen. Wir produzieren also ein Gut – die Plastiktüte – aus einem Rohstoff – Erdöl -, verbrauchen Energie bei der Produktion, um dann letztendlich dieses Gut wieder zu verbrennen, um weniger Energie zu erhalten, wie wenn man den Rohstoff direkt verbrannt hätte. Dazwischen sind wir einmal vom Supermarkt mit der Tüte nach Hause gelaufen. Nicht sehr effizient.

Die biologisch abbaubare Plastiktüte

Aber halt! Gab’s da nicht noch diese biologisch abbaubare Plastiktüte? Diese können genauso wie herkömmliche Plastiktüten verwendet werden, zersetzen sich jedoch mit der Zeit. Das heißt aber nicht, dass diese besonders gut im Biomüll aufgehoben sind, denn die Tüten werden von den meisten Kompostieranlagen als Störgut aussortiert. Außerdem bleibt nach dem Zersetzen nur CO2 und Wasser übrig, also kein nährstoffreicher Humus, was die Tüten für den eigenen Kompost auch nutzlos macht.

Aber trotzdem müsste doch diese Tüte besser für die Umwelt sein, sollte man meinen. So ganz wahr ist das jedoch leider nicht. Die bioabbaubaren Plastiktüten können aus verschiedenen Materialien bestehen und haben meistens einen Anteil an fossilen (also auf Erdöl basierenden) Rohstoffen und nachwachsenden Rohstoffen. Die CO2-Bilanz fällt dennoch besser für die bioabbaubaren Tüten aus. Studien zeigen jedoch, dass die Ökobilanz für beide Produkte ähnlich schlecht ist. Was die bioabbaubare Tüte an CO2-Emissionen und Erdöl einspart, das verursacht sie mehr an Versauerung und Eutrophierung im Wasser und im Boden. (siehe Umweltbundesamt: Untersuchung der Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen)

Für die Ökobilanz macht es also keinen Unterschied ob Bio-Plastik oder normales Plastik. Recycletes Plastik schneidet zwar im Vergleich besser ab, scheint aber nicht besonders weit verbreitet zu sein.

Alternativen zur Plastiktüte: Einkaufskorb und Brotzeitboxen

Was bleibt einem da noch? Der altmodische Einkaufskorb? Genau dieser! Ich persönlich mag den altmodischen Flair, der so einen Korb umgibt und gehe gern damit einkaufen. An Obst-, Käse,- und Fleischtheken werden einem zwar oft ungefragt Plastiktüten aufgedrängt, allerdings haben die wenigsten Verkäufer ein Problem damit, ihre Produkte in mitgebrachte Brotzeitboxen zu verpacken, wenn man freundlich fragt (siehe die Haushaltscheck-Sendung vom WDR: Haushaltscheck: Recycling – lohnt das?).

Plastik in der Natur bleibt Jahrhunderte

Plastik ist übrigens nicht nur deswegen ein bedenkliches Gut, weil es aus Erdöl hergestellt wird. Es dauert mehrere Jahrhunderte bis sich Plastik zersetzt, die genaue Zeitspanne hängt von der Art des Plastiks ab. Das führt dazu, dass sich Plastik ansammelt, wenn es nicht recyclet oder verbrannt wird. Und es sammelt sich überall an, vor allem in den Ozeanen. Unmengen an Plastik schwimmt in den Weltmeeren und ein noch größerer Anteil liegt auf dem Meeresboden. Auch gesundheitlich gibt es einiges Bedenkliches zum Thema Plastik zu erzählen, aber das nur am Rande. Der Film „Plastic Planet“ gibt ausführlichere Infos.

Informieren statt ahnungslos konsumieren

Aber warum ist diese Frage eigentlich wichtig? Für mich ist sie deswegen wichtig, weil ich wissen will, welche Konsequenzen welche Aktionen haben. Unsere Welt ist so komplex, dass wir die Auswirkungen, die wir auf andere Menschen, Tiere und unsere Umwelt haben, nicht mehr fassen können. Wir benutzen in unserem Alltag fast ausschließlich Dinge, von denen wir nicht wissen, wo sie herkommen und unter welchen Umständen sie produziert wurden, oft wissen wir nicht einmal woraus sie bestehen und wie sie gemacht werden. T-Shirts und Jeans, der Wohnzimmertisch, Weingläser und Suppenteller, das Mobiltelefon und der PC, Kaffee und Schokolade, Fleisch und Gemüse.

Wir werden nicht oder unzureichend vom Produzenten darüber informiert, wo diese Dinge herkommen, und oft sind die oberflächlichen Informationen täuschend. Das klingt nun sehr nach Verschwörungstheorie, aber es reicht, einmal den Fernseher anzumachen und sich einen Werbeblock anzusehen, um zu sehen, wie gesund Nutella ist und wie glücklich die Kuh auf der Alm ist, die die Milch für die Milchschnitte liefern darf.

Solange das so ist, fühle ich mich in der Verantwortung, mich selbst zu informieren, wenn ich nicht aus Ahnungslosigkeit Unrecht an anderen Menschen, Tieren oder der Umwelt in Kauf nehmen und unterstützen will. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt.

Quellen

Die meisten Infos zu diesem Blogeintrag habe ich aus folgenden Quellen:
Deutsche Umwelthilfe: Einweg-Plastik kommt nicht in die Tüte!
Umweltbundesamt: Untersuchung der Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen
NABU – Plastikmüll im Meer

Weiterführende Links

„Plastic Planet“ in der ZDF Mediathek
Achtung Plastik! vom BUND

Glossar


Eutrophierung bedeutet, dass ein Gewässer (oder auch Land, aber meist spricht man nur bei Gewässern davon) eine Nährstoffüberversorgung hat. Viele Nährstoffe bedeutet viel Wachstum. Dadurch dass Pflanzen oder Algen sehr stark wachsen als andere, haben Pflanzenfresser sehr viel Nahrung und vermehren sich auch stark und das Ökosystem gerät somit ins Ungleichgewicht. Jeder hat bestimmt schon einmal einen völlig veralgten See gesehen, wo man keine Handbreit mehr nach unten sehen kann. Da ist genau das passiert. Algen sind sehr rasch gewachsen und haben sich verbreitet, die Pflanzenfresser verbrauchen Sauerstoff, der dann in den tieferen Regionen des Sees fehlt. Dort sammeln sich organische Bestandteile und füllen den See quasi von unten auf. Im schlimmsten Fall kann aus dem See Land werden, wenn sich so viel Biomasse auf dem Boden des Sees abgelagtert hat, dass sie den ganzen See ausfüllt.
Grundsätzlich ist die Verlandung ein natürliches Phänomen, das über einen langen Zeitraum hinweg passiert. Durch den Einsatz von Düngemitteln mit Phosphat und Nitrit wird dieser Effekt aber enorm beschleunigt.


Versauerung hat man hingegen wohl schon öfter mal gehört, meistens in Zusammenhang mit saurem Regen. Von einem pH-Wert hat man auch schon ab und an mal gehört, meistens auf Packungen von Seifen oder Duschgels. Auch Böden haben einen pH-Wert und dieser ist ab einem Grenzwert von 6 oder niedriger „sauer“. Verursacht wird so ein saurer Boden durch Düngemittel oder durch sauren Regen, kann aber auch natürlichen Ursprungs sein. Bei einem sehr niedrigen pH-Wert können Pflanzen weniger gut gedeihen und hören ab einem Grenzwert von 3 auf zu wachsen.

Beim Thema Eutrophierung bin ich auf diese Website gestoßen: Wasserqualität von Badegewässern. Da ich aber dennoch nicht alles durchblickt habe, hab ich das ganze noch einer befreundeten Biologin zum Korrekturlesen gegeben. Danke, Jessi!
Und bei der Versauerung hat mir Wikipedia geholfen.

10 Kommentare

    1. Das ist ja ein interessantes Projekt. Du hast ja schon öfter mal von diesen 3D-Druckern erzählt und ich hatte mich bisher aber nie so richtig damit befasst. Ich finde das richtig gut, dass es da nun eine Möglichkeit gibt, recycletes Material zu verwenden. Aber Tüten kann man wahrscheinlich so nicht draus machen, oder?

  1. Ich kann nur sagen: ich hab die Öko Müllbeutel von swirl, die sind aus 90% Recycling Material (verbrennen rückstandslos, sind recyclingfähig und grundwasserneutral).
    Die sind zwar etwas teurer, aber mit normalen Plastiktüten als Müllbeutel habe ich nicht so gute Erfahrungen gemacht und wenn ich schon welche kaufe, dann halt welche *aus* Plastiktüten.
    Ist sicher nicht so umweltfreundlich, wie ganz auf Müllbeutel zu verzichten (ich könnte ja auch meinen Abfall in einem abwaschbaren Behälter oder Pappkarton sammeln und dann halt täglich raus bringen) aber wenigstens besser, als nicht recycelte Sachen zu kaufen.

    1. Ach, diese Müllbeutel hatte ich tatsächlich bisher noch nicht gesehen. Muss ich das nächste mal aufmerksamer durch die Läden ziehen 🙂
      Ich frage mich, warum die teurer sind. Der Recyclingprozess müsste ja eigentlich günstiger sein, als neues Plastik herzustellen. Oder täusche ich mich da? Naja, manchmal sind Produkte ja auch einfach deswegen teurer, weil davon auszugehen ist, dass die Leute dafür bereit sind mehr Geld zu bezahlen.
      Ich benutze noch normale Mülltüten und ich weiß nicht, ob ich mich dazu durchringen könnte, tatsächlich jeden Tag den Müll so rauszubringen. Es wäre aber wohl das richtige. Wobei dann ja der Wasserverbrauch steigt, was ja auch wieder diverse Konsequenzen hat…

    1. Ja, Stofftaschen sind auch super. Ich versuch immer schon was dabei zu haben, womit ich Sachen transportieren kann, meistens einen Korb oder den Rucksack. Viele haben auch mittlerweile immer einen Baumwoll- oder Polyesterbeutel mit im Gepäck, für alle Fälle.

  2. Hi Sabrina,
    vielen Dank für diesen Artikel. Ich hab mich besonders gefreut über die Darstellung, wie komplex es inzwischen ist, ökologisch verträgliche Entscheidungen im Alltag zu treffen…am Beispiel der Plastiktüte. Auf die Idee, Käse und Wurst in eigene „Tupperdosen“ packen zu lassen, bin ich echt noch nicht gekommen. Habe es in meinem Bio-Markt höflich fragend ausprobiert und so viel Freude und Lob von den Verkäuferinnen bekommen, dass es mir fast peinlich war… 😉

    1. Hi Daniela,
      Ich freu mich sehr über deinen Kommentar und dass du die Idee mit der Tupperdose gleich in die Tat umgesetzt hast 🙂 Schon interessant, wie sehr man sich daran gewöhnt hat, alles eingepackt zu bekommen. Ich wäre ja auch im Leben nicht drauf gekommen, eigene Verpackungen zum Einkaufen mitzunehmen.

  3. Kleinere Läden sind da meist flexibler, hier auf dem Markt freut sich mein Stammhändler sogar immer darüber wenn man ihm die Flaschen, Gläser und Tüten wiederbringt (und gibt dann gern noch was dazu 😉

    In Supermärkten kann man sich die Tüte in der Obst-/Gemüseabteilung mitunter dadurch sparen daß man den Aufkleber mit dem Gewicht/Preis direkt auf die Banane/Rübe/… klebt.

    Unschön sind dagegen die Kaufhäuser, die jeden Kram sofort in Riesentüten stecken wollen – da steckt wohl auch dahinter daß die Kunden danach diese mit sich herumschleppen und dadurch schön Reklame für den Laden machen.

    Ansonsten: Leere Papiertüten vom Obst-/Gemüseladen oder Bäcker ineinandergesteckt taugen prima zum Sammeln von Biomüll, und Plastiktüten (so sich diese nicht vermeiden lies) zum Sammeln von Recycling- oder Restmüll.

    Müllbeutel hab ich hier jedenfalls noch nie benötigt, hängt aber auch davon ab wie die Sammlung abläuft.

    Essen zur Aufbewahrung kommt in Gläser, wiederverwendbare Dosen, oder wird mit einer Schale bzw. Teller abgedeckt: Auf Alu- oder Klarsichtfolie kann man so fast immer verzichten.

  4. Hallo,

    ich weiß das dieser Beitrag schon älter ist, aber ich möchte trotzdem etwas dazu schreiben:
    Zum einen ist der Plastiktüten Verbrauch pro Kopf pro Jahr bei 200 nicht bei 65 (laut einigen vertrauenswürdigen Internet Seiten und Menschen)
    Aber zum anderen finde ich die Erklärungen sehr hilfreich für meine Deutschdebatte über das Thema Plastiktüten.

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