Was treibt uns an? – Bedürfnisse in der Gewaltfreien Kommunikation

Was treibt uns Menschen an? Bedürfnisse - Titelgrafik

Wie unsere Bedürfnisse uns antreiben und was wir daraus lernen können

Was treibt uns Menschen an? Was motiviert uns für all unser Tun, egal ob wir es als gut oder schlecht bewerten?

Für mich lautet die Antwort: unsere Bedürfnisse.

Nach Marshall Rosenberg1 sind Bedürfnisse die Antriebskraft hinter all unserem Tun. Sie bewegen uns dazu, zu unserem Wohlbefinden und dem anderer beizutragen. Zu unseren Bedürfnissen gehören Freiheit, Sinnhaftigkeit, Nahrung, Anerkennung und viele mehr. Wenn Bedürfnisse nicht erfüllt sind, dann streben wir danach, sie zu erfüllen. Das passiert häufig unbewusst. Oft haben wir allerdings nur ein eingeschränktes Repertoire, mit dem wir unsere Bedürfnisse zu erfüllen versuchen. Und obwohl hinter unseren Handlungen sehr positive Bedürfnisse stecken, kommt es zu Krieg, Armut, Diskriminierung und sehr viel Leid auf der Welt. Jede Form von Gewalt ist ein tragischer Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses2. Dass wir so wenig konstruktiv mit unseren Bedürfnissen umgehen, liegt meiner Meinung nach an folgenden Punkten:

  • Wir haben kein Bewusstsein für unsere Bedürfnisse.
  • Um unsere Bedürfnisse zu erfüllen, haben wir Handlungen erlernt, die uns oder anderen gegenüber gewaltvoll3 sind und uns ist gar nicht klar, dass wir unsere Bedürfnisse auch anders erfüllen könnten.
  • Wir lernen in einem steten Mangel an erfüllten Bedürfnissen zu leben, weil wir verinnerlicht haben, dass unsere Bedürfnisse sowieso nicht wichtig sind.
  • Wir haben durch unsere Erziehung oder später im Leben Traumata erlebt, die es uns erschweren, angemessen mit unseren Bedürfnissen umzugehen.

Aber was sind Bedürfnisse überhaupt?

Bevor wir nun tiefer einsteigen, möchte ich nochmal einen Schritt zurück gehen und die Definition von Bedürfnissen nach Rosenberg betrachten. Entgegen der etwas bekannteren Maslowschem Bedürfnispyramide sind die Bedürfnisse hier nicht hierarchisch sortiert, sondern alle gleich wichtig.

Bedürfnisse nach Marshall Rosenberg haben folgende Eigenschaften. Sie sind:

  • universell: Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse.
  • positiv: Bedürfnisse sind etwas, was zur Schönheit des Lebens beiträgt.
  • abstrakt: Bedürfnisse sind keine konkreten Handlungen.

Bedürfnisse sind unabhängig von bestimmten

  • Orten
  • Zeiten
  • Personen

All das sind Bedürfnisse, die sich alle Menschen teilen:

Bedürfnisse in der Gewaltfreien Kommunikation

Was ermöglicht uns ein Fokus auf unsere Bedürfnisse und die von anderen?

Neue Möglichkeiten tun sich auf – Sobald ich mir des Bedürfnisses bewusst werde, das hinter einer Handlung steckt, mit der ich nicht zufrieden war, kann ich überlegen: Welche anderen Möglichkeiten habe ich, dieses Bedürfnis zu erfüllen? Das Bedürfnis nach „Entspannung“ könnte ich beispielsweise versuchen, auf folgende Arten zu erfüllen:

Bedürfnis Entspannung mit Strategien

Manche dieser Handlungen bewerten wir im allgemeinen als positiv, andere negativ. Das hängt damit zusammen, dass sie unsere eigenen Bedürfnisse oder die von anderen beeinträchtigen. Z.B. würde Rauchen das Bedürfnis nach Gesundheit beeinträchtigen. Es kann sein, dass eine bestimmte Handlung gleich mehrere Bedürfnisse erfüllt. Dann ist es meist schwieriger eine Alternative zu finden, mit der ich gleich zufrieden bin.

Die Welt und die Menschen besser verstehen – Wenn ich die Bedürfnis-Brille aufhabe, dann kann ich alles, was Menschen um mich herum tun (inklusive mir selbst) besser verstehen. Es könnte sein, dass ich supergenervt von einem Kollegen bin, weil er immer so viel darüber prahlt, was er alles kann und hat. Wenn ich mir bewusst mache, dass er sich vermutlich einfach nur Anerkennung wünscht, kann ich das Ganze in einem anderen Licht sehen. Oder ich könnte mich über mich selbst ärgern, weil ich so genervt von ihm bin, obwohl mir bewusst ist, dass er sich verschiedene Bedürfnisse erfüllen möchte. Vielleicht wird mir dann bewusst, dass ich ebenfalls Anerkennung brauche.

Verbundenheit mit allen Menschen – Alles, was wir Menschen tun, tun wir (häufig sehr unbewusst) aus einem Bedürfnis heraus. Das ermöglicht uns Verstehen auf einer tieferen Ebene, wie Menschen sind und wie sie handeln. Neben der Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen, kann ich dann auch das Gemeinsame sehen und was uns miteinander verbindet, egal welche Interessen und Hintergründe wir haben.

Übung: Ein Bedürfnis besser kennen lernen

  1. Wähle aus dem Bild oben ein Bedürfnis aus, das dich anspricht.
  2. Nimm dir ein leeres Blatt Papier und schreibe das Bedürfnis in die Mitte.
  3. Schreibe nun alles auf, was dir dazu einfällt.
    • Situationen, in denen das Bedürfnis erfüllt war.
    • Möglichkeiten, die du kennst, um das Bedürfnis zu erfüllen.
    • Assoziationen, die du dazu hast.
    • Personen, mit denen du dieses Bedürfnis gut erfüllen kannst.
  4. Gestalte dein Bedürfnisbild ganz frei wie es dir gefällt.
    • Verwende unterschiedliche Schriften.
    • Verwende bunte Stifte.
    • Zeichne Verbindungslinien.
    • Male deine Assoziationen auf.

Viel Freude mit dieser kreativen und meditativen Übung!

Wenn du möchtest, teil doch hier wie es dir damit gegangen ist.

  1. der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation []
  2. Zitat Marshall Rosenberg []
  3. Link zum Thema Gewaltfreiheit und was ist eigentlich Gewalt: Gewaltfrei? Hä? []

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