Alltagstauglich nachhaltig leben

Alltagstauglich nachhaltig leben

Der Wunsch, nachhaltig(er) zu leben ist die eine Sache. Die andere ist: Wie soll das im Alltag funktionieren?

Inhalt

Was bedeutet „nachhaltig leben“?

Nachhaltig leben – was ist damit gemeint? Weil das Wort „Nachhaltigkeit“ häufig ungenau und übermäßig gebraucht wird, ist mir zu Beginn des Artikels wichtig, eine klare Definition bereit zu stellen:

Mit einer nachhaltigen Entwicklung können die Bedürfnisse der heutigen Generation erfüllt werden ohne das Vermögen kommender Generationen zu beeinträchtigen, ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.

Brundtland Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, 1987

Ein Mensch, der nachhaltig lebt, bemüht sich also, die eigenen Bedürfnisse so zu erfüllen, dass die Bedürfnisse der nachfolgenden Generationen nicht beeinträchtigt werden. Wenn Menschen1 davon reden, nachhaltig zu leben, meinen sie häufig auch, dass sie sich auch um Menschen und andere Lebewesen, die heute leben, sorgen. Wenn ich also in diesem Artikel über „nachhaltig leben“ spreche, dann meine ich folgendes:

  • Bedürfnisse von Menschen kommender Generationen beachten
  • Bedürfnisse heute lebender Menschen beachten
  • Bedürfnisse anderer Lebewesen beachten

Konkrete Maßnahmen zum nachhaltig leben

Es gibt bereits jede Menge Ideen dazu, wie du nachhaltig(er) leben kannst. Hier will ich nur ein paar davon in Erinnerung rufen. Das Augenmerk soll dann darauf liegen, was du tun kannst, um diese guten Vorsätze in deinem Alltag umzusetzen – wenn du das möchtest.

Nachhaltig leben

Der Schritt zur veganen Ernährung ist der wohl effektivste Weg für eine Einzelperson, den Klimawandel zu stoppen.2

Mehr dazu habe ich anderswo bereits geschrieben und viele andere Leute auch. Deswegen soll es hier nur am Rande darum gehen. Hier findest du einige weiterführende Links. Vielleicht möchtest du erst noch ein wenig darüber lesen und dann hierher zurückkehren.

Nachhaltigkeit im Alltag umsetzen

Die eigentliche Schwierigkeit beginnt im Alltag, wenn alles mögliche dazwischen kommt. Nachhaltig leben muss gelernt werden. Das funktioniert mit Versuch und Irrtum. Das funktioniert mit Nachsicht und Geduld. Und Lernen geht am leichtesten gemeinsam – mit Freund*innen, Partner*innen, der Familie, Weggefährt*innen.

Ein Gesichtspunkt des nachhaltig Lebens, auf den ich näher eingehen möchte, ist: Balance halten zwischen der Fürsorge für meine eigenen Bedürfnisse und für die der anderen.

Wir Menschen in unserem Kulturkreis leben sehr häufig nach dem Grundsatz „entweder oder“: Entweder ich mache, was mir gefällt oder ich beachte das Wohlergehen von anderen. Das bedeutet, dass wir häufig meinen, wenn wir etwas für andere bzw. unsere Mitwelt tun, dass wir uns automatisch zurücknehmen und verzichten müssen.

Ein großes Lernfeld für uns ist das „gleichzeitig“ zu lernen: Ich mache, was mir gefällt und gleichzeitig beachte ich das Wohlergehen von anderen. Wir können lernen, sowohl nachhaltig als auch wahrhaft glücklich zu leben. Ich glaube sogar, dass ein wahrhaft glückliches Leben nur dann möglich ist, wenn wir das Wohl der anderen mit einbeziehen.

Bedürfnisse ergründen für einen gelingenden nachhaltigen Alltag

Vielleicht klingt das mit der Gleichzeitigkeit gerade noch ziemlich abstrakt. Ein Weg dorthin führt über das Ergründen von Bedürfnissen – sowohl meiner eigenen, als auch der Bedürfnisse der anderen. Denn allen unseren Handlungen, sei es nun „mit dem Auto zur Arbeit fahren“ oder „mit dem Rad zur Arbeit fahren“, liegen Bedürfnisse zugrunde. Und – das ist wichtig – es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten, um Bedürfnisse zu erfüllen.

Das heißt, wenn wir nachhaltig leben wollen, können wir Wege finden, die sowohl unsere eigenen Bedürfnisse erfüllen, als auch die anderer. Und damit gelingt uns auch ein nachhaltiger Alltag. Denn wenn du mit alternativem, nachhaltigen Handeln auch für deine eigenen Bedürfnisse sorgst – und dennoch die der anderen nicht außen vor lässt – passiert folgendes: Der Frust sinkt, dein Burnout-Risiko sinkt, Glück und Sinn in deinem Leben steigen an und es erhöhen sich die Chancen, dass du dauerhaft dabei bleibst.

Soweit die Theorie. Nun geht es ans Ausprobieren, wenn du magst. Ich habe ein Übungsblatt gebastelt, das du runterladen kannst, so dass du die Schritte für dich aufschreiben kannst: Übungsblatt „Alltagstauglich nachhaltig leben“ runterladen

1. Schritt: Was möchtest du verändern?

Such dir eine ganz konkrete Sache in deinem Leben heraus, die du gerne nachhaltiger gestalten möchtest. Vielleicht möchtest du auch dein ganzes Leben umkrempeln. Du kannst die Übung so oft machen, wie du möchtest. Such dir zunächst jedoch eine Sache aus.

Ich verwende ein Beispiel, damit es anschaulicher wird: Nehmen wir an, du möchtest dich nachhaltiger fortbewegen und deshalb auf’s Autofahren zu deiner Arbeitsstelle verzichten.

2. Schritt: Eigene Bedürfnisse erkennen

Es gab ja einen Grund, warum du bisher mit dem Auto gefahren bist. Diese Gründe sind die Bedürfnisse, die dahinter stecken. Nimm die Liste zu Hilfe, um die Bedürfnisse herauszufinden, die hinter dem Auto fahren stecken könnten.

Bedürfnisse in der Gewaltfreien Kommunikation

Gründe, warum du bisher mit dem Auto gefahren bist, könnten sein:

  • Effektivität
  • Ruhe
  • Entspannung
  • Autonomie
  • Leichtigkeit

3. Schritt: Die Bedürfnisse der anderen erkennen

Auf der anderen Seite stehen Bedürfnisse von Menschen und anderen Lebewesen, die von deiner Entscheidung betroffen sind oder in Zukunft betroffen sein werden. Wenn du bereits entschlossen bist, etwas zu verändern, weißt du sicher, wie sich z.B. Autofahren durch Abgase, Lärm und vor allem CO2-Ausstoß auf uns Menschen, insbesondere kommende Generationen, auswirken kann. Wir suchen nun die Bedürfnisse, die damit verbunden sind. Welche Bedürfnisse von anderen (oder vielleicht auch von dir selbst?) sind beeinträchtigt, wenn du z.B. mit dem Auto fährst? Nimm wieder die Bedürfnisliste zu Hilfe.

Das könnten z.B. sein:

  • Ruhe (Anwohner*innen, Passant*innen)
  • Sicherheit (kommende Generationen, Kinder, Tiere)
  • Gesundheit (kommende Generationen, Kinder, Tiere)
  • Autonomie (kommende Generationen, Kinder, Tiere)

4. Schritt: Alternativen finden

Sicher hast du schon Alternativen erwägt, wenn du vorhast, dein Leben nachhaltig(er) zu gestalten.
Das Neue und Spannende, wenn wir nach neuen Ideen auf Basis von Bedürfnissen suchen, ist, dass wir in der Regel gründlicher und kreativer sind. Denn wir suchen nicht einfach nach einer Alternative zum Auto fahren. Wir suchen nach Alternativen, um uns auch die Bedürfnisse zu erfüllen, die uns Autofahren erfüllt.

balance zwischen eigenen bedürfnissen und denen anderer

Um die Ecke denken

Im Bild oben habe ich einige Ideen aufgelistet, die mir spontan eingefallen sind. Eine jede für sich mag noch nicht ausreichen, um eine wirklich zufriedenstellende Alternative zum Autofahren zu bieten. Aber vielleicht eine Kombination? Oder vielleicht fallen dir noch mehr ein?

Versuch beim Brainstorming auch ruhig um die Ecke zu denken. Wenn wir z.B. auf die Effektivität des Autofahrens schauen, dann denken wir häufig zuerst daran, möglichst wenig Zeit für die Anfahrt zur Arbeit zu verbringen. Effektivität kann aber auch etwas anderes bedeuten: dass wir die Zeit, die wir mit der Anfahrt verbringen, effektiv nutzen. Z.B. könnte ich im Zug lesen oder bereits mit der Arbeit beginnen. Oder ich könnte durch die Fahrt mit dem Rad bereits für Bewegung und meine Gesundheit sorgen, so dass ich abends nicht mehr ins Fitness-Studio oder joggen gehen brauche.

Außerdem kannst du prüfen, ob du einige Bedürfnisse vielleicht auch unabhängig von deinem Arbeitsweg erfüllen kannst. Beispielsweise könntest du dir jeden Morgen oder Abend Zeit für dich nehmen, um dir Ruhe und Entspannung zu gönnen. Oder du könntest öfter mal eine Katze streicheln.

Du könntest hinterfragen, ob du überhaupt zur Arbeit gehen und dir die Bedürfnisse komplett anders erfüllen möchtest. Vielleicht fällt dir dann aber auf, dass dir auch deine Arbeit Bedürfnisse erfüllt, z.B. Sicherheit, Sinn und/oder Kreativität.

Eine Kombination aus mehreren Ideen könnte sein, dass du deine Arbeitszeit reduzierst, dadurch mehr Zeit für dich hast und dreimal die Woche mit dem Rad zur Arbeit fährst und das dann genießen kannst. Und vielleicht holst du noch eine Katze aus dem Tierheim zu dir 😉

Versuch und Irrtum

Wenn du Ideen sammelst, schreibe einfach auf, was dir in den Kopf kommt. Versuche deine Ideen nicht bereits zu bewerten. Manches klingt auf den ersten Blick absurd, ergibt dann in Kombination aber doch Sinn. Anderes klingt erstmal machbar, wird dann aber doch zuviel.

Wichtig ist, im Kopf zu behalten: Du kannst alles jederzeit wieder ändern und in jedem Moment neu entscheiden. Wir lernen durch Versuch und Irrtum.

Ich bin total neugierig, wie es dir mit der Übung geht. Wenn du magst, teile doch in den Kommentaren, wie dein Vorhaben zum nachhaltiger Leben aussieht und welche Alternativen du gefunden hast.

  1. Menschen, die ich gefragt habe []
  2. Quelle: Drawdown: 100 Solutions to Reverse Global Warming []

1 Kommentar

  1. Vielen dank für die Auffrischung in diesem Artikel. Ich denke ich versuche jeden Tag ein Stück nachhaltiger zu leben, und habe viele Ideen hier schon umgesetzt, doch es ist interessant zu sehen, wie du das hier auf die Bedürfnisse runter brichst von einem selbst und den anderen!
    sonnige grüße
    ellen

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