Nachhaltig leben Brigitte Adelmann

Nachhaltig im Alltag: Interview mit Brigitte Adelmann

Brigitte habe ich 2013 beim ersten Foodsharing Dinner in Nürnberg kennen gelernt, wo wir mit geretteten Lebensmitteln gekocht haben. Mittlerweile ist sie die wohl engagierteste Lebensmittel-Retterin, die ich kenne. Heute habe ich sie zu ihrem Alltag befragt.

Nachhaltigkeits- und Umweltaktivistin Brigitte Adelmann

Wie alt bist du? Gehst du einer Lohnarbeit nach? Wenn nein: Wie bezeichnest du dich selbst?
63 Jahre – seit 2006 (nach dem 5. Schlaganfall) – Rentnerin – Ehefrau – Mutter – Oma – Nachhaltigkeits- und Umweltaktivistin
Seit 2013 erst mit dem Retten von Lebensmitteln, seit 2014 mit dem Retten von allen Ressourcen beschäftigt – erst aktiv bei Foodsharing, dann in der von uns ins Leben gerufene Gruppe Lebens-mittel-retten & mehr.

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben aus?
Zwischen 3  Uhr und 4 Uhr aufstehen, Katzen (ebenfalls alle irgendwie gerettet) versorgen, Kaffee trinken, dabei gleich mal E-Mails und andere Post lesen und beantworten – nachsehen, ob alle Abholtouren von Super- und Großmärkten, Einzel- und Großhandel, sowie den Landwirten, die uns unterstützen, geregelt sind. Ab 6 Uhr Annahme von geretteten Lebensmitteln & mehr – anschließend säubern und sortieren der eingegangenen Ware. Danach manchmal etwas Zeit für „das bisschen Haushalt“ – ab 10 Uhr Abgabe von Lebensmitteln & mehr.

Nebenbei  Öffentlichkeitsarbeit, d.h. z.B. organisieren von Messen, Märkten, Vorträgen, Aktionen, usw. Anschließend Entsorgung von angefangenem Müll – verwertbare Lebensmittelreste gehen ins Tierfutter, tatsächlicher Lebensmittelabfall auf die Kompostieranlage, sehr viel Plastikabfall in die gelben Säcke, Restmüll fällt nur in Form von Aufklebern auf Obst und Gemüse an und wird entsprechend entsorgt. Abends meist todmüde etwas essen, was mein Mann gekocht hat – danach zur Entspannung etwas stricken (immer aus geretteten Wollresten) und irgendwann umfallen und schlafen.

Unterstützt und mitgetragen hat dies alles von Anfang an mein Mann, sonst hätte es nicht funktioniert.

Verwenden statt verschwenden

Was ist dir besonders wichtig an deinem nachhaltigen Lebensstil?
Schonung aller Ressourcen und unserer Umwelt – daher heißt unser Motto einfach „Verwenden statt verschwenden“. Weniger Konsum ist mehr für uns, die Generationen nach uns und unsere Umwelt.

Was fällt dir leicht, was fällt dir schwer?
Wir kaufen seit 2013 keine Lebensmittel mehr für uns ein, 2014 haben wir beschlossen, ganz auf den Konsum zu verzichten. Ausnahme ist hier alles, was für die Katzen notwendig ist und – da wir auf dem Land leben und auf ein Auto angewiesen sind – alles rund ums Auto. Das alles fällt uns sehr leicht. Anfangs fiel es uns etwas schwer, auf den Kauf von Büchern und Wolle (ich) zu verzichten, doch auch das haben wir in den letzten Jahren mehr und mehr in unser Verteilerregal bekommen, so dass wir aktuell nichts haben, was uns schwer fällt.

Was motiviert dich?
Menschen, die Tag für Tag bei uns ein- und ausgehen und uns erzählen, wie sich ihr Leben im Laufe der Jahre verändert hat – wie sie mehr auf Lebensmittel und andere Dinge achten – wie sie wieder alte Rezepte entdecken und beim Einkaufen genauer hinsehen – als mir eine Frau erzählte, das sie früher Panik schob, wenn ihr Kühlschrank Lücken aufzeigte und wie sie sich heute freut, wenn er leer ist – ein Mann erzählte, das er in einem Biomarkt, in dem er früher ungesehen einkaufte, nun darauf achtet, woher die Produkte kommen und entsetzt war, wie weit Obst und Gemüse transportiert werden – so ist er auch schon wiederholt ohne Einkauf aus dem Biomarkt raus und hat seinen ursprünglichen Essensplan danach umgestellt, was vorrätig oder beim Dorfladen/Landwirt erhältlich war.

Weniger ist mehr als Lebensphilosophie

Nachsatz:
Nun haben wir uns einen Traum erfüllt und uns einen Resthof gekauft. Zwar bedeutet das, das wir die Arbeit der letzten 7 1/2 Jahre nicht mehr weiterführen werden, da wir fast 900 km weg ziehen, doch nun können wir uns mehr auf das konzentrieren, was uns schon lange sehr wichtig ist. Wir werden versuchen, weitgehendst autark zu leben – also Obst- und Gemüseanbau in Permakultur, Haltung von Hühnern. Energieeinsparung war uns auch schon immer wichtig, daher werden wir vermehrt unseren Solarofen benutzen, eine Solarkiste wird gebaut und seit letztem Jahr haben wir auch ein Gartenkraftwerk, so das wir die Kraft der Sonne auch im Haus nutzen können. Beim Wasser nutzen wir schon das Regenwasser, wo es geht, doch auch hier wollen wir nun vermehrt auf Nutzung von Grauwasser achten.

Zwar werden wir nach wie vor ein Auto haben, es jedoch nur noch selten nutzen, da wir einerseits nur noch selten (meist für die Katzen) einkaufen werden und andererseits mehr aufs Fahrrad umsteigen wollen. Wir werden wieder mehr Lebensmittel haltbar machen, mehr Lebensmittel, die die Natur uns schenkt, nutzen und ich werde wieder öfter an der Nähmaschine sitzen, um eigene Kleidung aus Stoffresten oder alter Kleidung zu fabrizieren.

Bei ersten Gesprächen in unserer neuen Heimat wurde unser bereits gelebter Tauschhandel positiv aufgenommen und wir konnten einen Teil unseres Grundstücks schon gegen Naturalien verpachten.
Sicher ist das noch nicht „das Ende der Fahnenstange“ und ich bin überzeugt, das uns noch mehr einfällt. Weniger ist mehr und macht uns Tag für Tag zufrieden.

Vielen Dank für diesen Einblick in Dein Leben, Brigitte!

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