Drei Jahre ohne Klamottenkauf

keine neuen kleider

Letztens auf die Frage angesprochen, dass ich ja doch mit sehr wenig Geld auskomme, dachte ich darüber nach, wie lange es eigentlich her ist, dass ich das letzte Mal Klamotten gekauft habe. Zwei Jahre oder drei Jahre? So langsam verschwimmt alles ein bisschen, aber ich denke, es könnten schon drei Jahre gewesen sein. Schwierig ist das, weil ich nicht wirklich gesagt habe: „So, ab heute, kaufe ich keine Klamotten mehr.“ oder „Ab heute kaufe ich nur noch gebraucht.“ oder so. Das hat sich eher schrittweise ergeben.

Publikumswirksamer wird das ganze ja schon, wenn man ab einem festen Termin ein Experiment startet und dann in regelmäßigen Abständen darüber bloggt. So weit habe ich damals aber noch nicht gedacht. Vor drei Jahren ging der Niemblog ja auch erst an den Start.

Ein Rückblick darf trotzdem drin sein. Immerhin habe ich letzte Woche das erste Mal seit besagten drei Jahren wieder Klamotten gekauft1. Und deshalb möchte ich feiern, dass ich so lange nicht beim Konsumspiel migespielt habe. Aber auch, dass ich mir selbst etwas Gutes getan habe.

Rückblick

Früher, also bevor ich angefangen habe, so konsumkritisch zu denken, bin ich bestimmt zweimal im Jahr mit meiner Mutter Klamotten shoppen gegangen. Das war schon so etwas wie eine Tradition. Zusätzlich haben wir auch immer mal wieder aus dem Katalog bestellt. Beim Klamottenkauf war ich oft frustriert, weil viel nicht so passte, wie es sollte und wir immer durch jede Menge Geschäfte tingelten, bis wir endlich mal was Schönes gefunden hatten. Gefallen hat es mir aber schon, dann die neuen Klamotten anzuziehen und sich irgendwie attraktiver zu finden als vorher. Zumindest für einen oder zwei Tage.
Das letzte neu gekaufte T-Shirt war dann aber schon ein Fairtrade-T-Shirt – immer noch mein Lieblings-T-Shirt, obwohl ich es schon mehrmals nähen musste.

Damit hätte es ja auch gut sein können, oder? Anstatt konventionell zu shoppen, hätte ich ja einfach fair weitershoppen können. Nach und nach kam ich aber dahinter, dass das was wir brauchen, kein grünes oder faires Wachstum ist, sondern gar kein Wachstum2, vielleicht sogar eher eine Schrumpfung. Daraus ergab sich als Konsequenz für mich: ich wollte so wenig wie möglich kaufen, um möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen. Und gerade an Klamotten ist ja unendlich viel bereits vorhanden!

Weniger haben

Außerdem merkte ich, wie viele Klamotten ich eigentlich im Schrank habe, die ich selten oder nie anzog. Also weg damit! Nach einem Umsonst-Flohmarkt zu Hause und einigen Kisten, die an den Gebrauchtwarenhof oder den Umsonstladen gingen3, war aus einem vollen Kleiderschrank ein kleines Regal mit Klamotten geworden; und damit ein minimalistisches Schlafzimmer mit einem Bett und einem Regal: ein Raum, in dem ich mich ultra-wohlfühle, weil nichts Ablenkendes oder Störendes darin ist4.

Weniger zu haben, fühlte sich also richtig gut an. Aber irgendwann kommt dann doch der Moment, wo etwas einfach durch ist. Oder man keine Lust zu nähen hat. Oder man nach X Monaten/Jahren doch endlich mal wieder was anderes anziehen will.
Und man aber trotzdem keine Ressourcen verbrauchen will.

Alternativen

Manchmal macht es Spaß, dann einfach im Second Hand Laden zu wühlen. Die gibt es eigentlich in jeder Stadt, mal in besserer, mal in schlechterer Qualität. Besonders gut gefällt es mir im VINTY’S, da dort nur sehr gute Qualität angenommen wird und die Klamotten auch sehr ansprechend präsentiert werden. Effektiv fühlt es sich dort an wie Standard-Klamotten-Shoppen, nur dass eben nicht alles in allen Größen verfügbar ist. VINTY’S gibt es in Augsburg, Erlangen, Ettringen, München, Nürnberg und Passau. Sicher gibt es an anderen Orten Äquivalente.
Für die Region Mittelfranken gibt es sogar einen SecondhandGuide.

Interaktiver ist der Kleidertausch. Bei einer Kleidertauschparty bringen die Teilnehmer ihre übrigen Klamotten mit und suchen sich dafür etwas Neues von den anderen Teilnehmern aus. Effektiv kann jede/r eine Kleidertauschparty veranstalten, mittlerweile gibt es aber an vieleln Orten regelmäßige Veranstaltungen. Also einfach mal die Suchmaschine nach „Kleidertausch {meine Stadt}“ befragen. Oder selber dazu einladen!

Ein Online-Äquivalent dazu ist der Kleiderkreisel. Dort gibt es gebrauchte Kleidung von privat zu privat zu verkaufen, tauschen oder schenken.

Manchmal braucht man aber etwas Bestimmtes. Bei mir waren letzten Winter meine Turnschuhe durch und ich wollte unbedingt wieder dieselben oder ähnliche. Also habe ich wochenlang bei Ebay Angebote beobachtet: diese Sorte, kaum oder nie getragen, meine Größe, schöne Farbe, kein Leder5. Irgendwann hatte ich sie dann, deutlich teurer als gedacht, aber immerhin gebraucht!

Es gibt also so einige Möglichkeiten, ressourcen- und geldsparend Klamotten zu erwerben. Und einige davon sogar ohne die Shopping-Experience missen zu müssen!

Fazit

Mir fällt es nicht schwer, gebrauchte Klamotten und überhaupt weniger zu kaufen. Meine Ansprüche sind nicht sehr hoch und ich habe keinen Job, der spezielle Kleidung erfordert. Ich kann mir vorstellen, dass das es für manch andere deutlich schwieriger ist, spezielle gebrauchte Kleidung zu finden.

Es kann Spaß machen, sich auf die Suche zu begeben, nach genau dem passenden Kleidungsstück mit diesen oder jenen bestimmten Eigenschaften. Und es kann witzig sein, neu zu kombinieren, oder auch umzuschneidern, wenn etwas nicht passt. Es kann aber auch mühsam sein, manchmal zu mühsam. Ich merke gerade, dass ich bei meinen Nachhaltigkeitsbemühungen manchmal zu verbissen bin und mich selbst damit unglücklich mache. So sollte es nicht sein! Niemand ist perfekt.

  1. selbstverständlich Second Hand und ein T-Shirt Fairtrade, weil es so einen schönen Schnitt hatte []
  2. Weiterführender Link: Transition Wiki: Postwachstum []
  3. zugegeben, ein paar stehen immer noch im Keller []
  4. vorausgesetzt, er ist aufgeräumt []
  5. auch wenn es effektiv egal ist, wenn sie gebraucht sind, aber irgendwie wenn ich die Wahl habe, nehme ich doch lieber kein Leder []

2 Kommentare

  1. Hey Sabrina,

    deine Ausdauer und Konsequenz finde ich bewundernswert. Mir ist mal wieder aufgefallen wie ähnlich wir manchmal ticken. 😉 (wobei ich bei weitem nicht so ausdauernd bin *hihi*). Gerade beschäftige ich mich auf meinem Blog mal wieder mit den Weiterverarbeitungsmöglichkeiten von Stoffresten oder auch alten Klamotten. Hab ein Weihnachten eine neue Idee gehabt. Vielleicht magst du mal vorbei schauen. 🙂

    Einzig der letzte Satz in deinem Post macht mich etwas nachdenklich. Ich finde, niemand ist verpflichtet allein „die Welt“ zu retten. Deshalb sollte auch niemand sich gezwungen fühlen alles perfekt zu machen, denn das schafft ja keiner! Wichtiger ist glaube ich, dass jeder ein bischen was tut. So viel wie man kann, will und wie einem gut tut. Pass auf dich auf.

    Liebe Grüße
    Friederike

    1. Liebe Friederike, ich bin ja völlig von den Socken, was du für kreative Weiterverarbeitungsmöglichkeiten für Stoffreste findest! Freue mich schon auf unser nächstes Treffen, vielleicht magst du mir dann mal zeigen, wie das mit dem Seildrehen geht 🙂

      Und ja, ich denke auch, dass man sich nicht zwingen sollte, alles perfekt zu machen. Manchmal geht es einfach nicht, aber das fällt mir manchmal noch schwer, einzusehen. Aber ich arbeite dran!

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