Wie wir unser Gehirn zu einem freundlichen Ort machen

Your Resonant Self von Sarah Peyton - Selbstannahme lernen

Das wichtigste Buch, das ich je gelesen habe

Sarah Peyton bringt in ihrem Buch „Your Resonant Self“ (Dein resonierendes/mitschwingendes Selbst) Erkenntnisse der Interpersonellen Neurobiologie mit denen der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) zusammen. Und damit bahnbrechende neue Erkenntnisse, wie wir uns selbst besser helfen können. Aktuell gibt es das Buch nur auf englisch. Dies ist eine Mischung aus Rezension, Erfahrungsbericht, Zusammenfassung und vor allem aber eine allerwärmste Empfehlung.

Das Buch könnte für dich sein, wenn

  • du dich ständig selbst kritisierst, sehr streng mit dir bist oder dich gar verachtest,
  • dich Kleinigkeiten völlig aus der Bahn werfen,
  • deine Gedanken sich häufig im Kreis drehen,
  • du deine Emotionen schlecht regulieren kannst,
  • du mit Panikattacken, Depressionen, … kämpfst,
  • du dich abhängig von Alkohol, Zigaretten, Computerspielen, Fernsehen, etc. fühlst,
  • für dich lebenswichtig ist, dass andere dich gut finden,
  • du immer wieder dieselben Fehler machst, obwohl du dachtest, du hättest daraus gelernt,
  • du etwas darüber lernen willst, wie dein Gehirn funktioniert oder
  • du anderen dadurch helfen willst.

Ich stell mir vor, dass du sicherlich nur das Buch lesen musst und dann wirst du ganz viele Aha-Erlebnisse haben und du wirst dein Leben innerhalb kürzester Zeit so verändern können, dass du viel ausgeglichener und lebensfroher bist. Vielleicht ist es so, vielleicht auch nicht. Es heißt oft, dass nicht alle Dinge für alle Menschen gleich gut funktkionieren. Da das Buch ganz grundsätzlich vom menschlichen Gehirn ausgeht, vermute ich jedoch, dass es für alle Menschen hilfreich sein kann.

Mein Weg zu mehr Selbstannahme

Seit 2 Jahren bin ich nun ziemlich intensiv mit meiner persönlichen Weiterentwicklung beschäftigt. Seit einigen Monaten steckte ich jedoch fest – immer wieder geriet ich in den Sog von Fernsehserien, hatte längere Phasen von Niedergeschlagenheit und versuchte immer schön brav, das alles und mich selbst so zu akzeptieren. So ganz mochte es mir aber nicht gelingen. Ich hatte Zweifel: Wie soll das eigentlich gehen mit der Selbstannahme? Und darf man das überhaupt? Wird man dann nicht voll egoistisch? Oder hängt nur noch den ganzen Tag vor der Glotze und findet sich dabei voll okay? Das waren meine Gedanken.

Die gute Nachricht ist: Die Gehirnforschung sagt, dass wir sowohl zufriedenere als auch sozialere Menschen sind, wenn wir uns selbst von Herzen annehmen können. Und der Schlüssel dazu ist Resonanz – also ein Widerhall und Anerkennen des eigenen Erlebens im anderen. Im Grunde ein Gefühl von Verstanden sein auf Herzensebene. Wenn wir das als Kinder nicht erlebt haben, fällt es uns im späteren Leben deutlich schwerer, uns selbst von Herzen anzunehmen.

In den 2 Monaten, seit ich mit dem Buch angefangen habe, habe ich bereits gelernt, in vielen Situationen viel freundlicher mit mir umzugehen und mich mit mehr Hingabe für meine eigenen Bedürfnisse einzusetzen. Außerdem hab ich verstanden, dass es viele Gründe geben kann, die es Menschen erschweren, ein gelassenes, selbstbestimmtes und lebendiges Leben zu führen.

Je mehr ich über die Funktionsweisen des Gehirns verstehe, umso besser verstehe ich mich selbst und habe Verständnis mit mir.

Über das Buch

Das Buch ist unterteilt in 14 Kapitel (von mir ins Deutsche übersetzt):

  1. Wie wir mit uns selbst sprechen: Das Default Mode Netzwerk
  2. Im emotionaler Balance bleiben: Gesunde Selbstregulierung
  3. Selbstliebe entwickeln: Einführung des resonierenden inneren Zeugen
  4. Den inneren Kritiker zähmen: Den Versuch beizutragen hören
  5. Angst beruhigen: Bewegung in Richtung Vertrauen
  6. Zeitreisen mit Resonanz: Alten Schmerz heilen
  7. Die kreativen und schützenden Geschenke von Wut in Anspruch nehmen
  8. Bezwingen von uralten Ängsten
  9. Rückkehr von der Dissoziation
  10. Bindung: Wie das Gehirn auf Begleitung reagiert
  11. Selbsthass und Desorientierte Bindung heilen
  12. Behutsam Depressionen heilen
  13. Sucht und Zwang hinter dir lassen: Der Beitrag von Verständnis mit dir selbst und Resonanz
  14. Freude, Gemeinschaft und unsere Stimme nach außen: Den resonierenden inneren Zeugen zu anderen bringen

Jedes enthält eine geführte Meditation zum Thema, die du dir hier kostenlos runterladen und anhören kannst. Das Buch ist relativ leicht verständlich und auch die Funktionen des Gehirns werden anschaulich und verständlich beschreiben. Das erste Kapitel enthält viel Grundwissen über das Gehirn. Das wird aber deutlich weniger im Laufe des Buches. Durch die Worte, die Sarah wählt, spricht sie den lesenden Menschen auf Augenhöhe an, anstatt von oben herab etwas zu erklären. Und durch die mitfühlende und verständnisvolle Sprache ist das Lesen des Buches Balsam für die Seele.

Aus dem Inhalt: kritische innere Stimmen und das Default Mode Netzwerk

Wie reden wir mit uns selbst? Sind unsere inneren Stimmen liebevoll oder kritisch? Was passiert, wenn ich mich hinsetze und an nichts bewusst denke? Welche Stimmen melden sich? Das Default Mode Netzwerk ist der Teil des Gehirns, der anspringt, sobald ich mich nicht mehr auf eine Aufgabe konzentriere und die Gedanken schweifen lasse. Und je nachdem, wie unsere früheren Erlebnisse waren – ob wir als Kind oder später traumatische Erlebnisse hatten oder häufig einsam waren – kann das Default Mode Netzwerk eher neutral sein oder auch ganz schön gemein. Indem es uns z.B. immer wieder an Situationen erinnert, in denen wir Fehler gemacht haben, indem es uns Schuldgefühle macht oder uns runter macht.
Das Schöne aber ist: wie wir mit uns selbst sprechen lässt sich verändern und üben. Unser Gehirn ist veränderbar.

Resonanz und Selbstannahme

Das Wichtigste, was meines Erachtens durch das Buch erlernbar ist, ist, einen mitfühlenden, resonierenden inneren Zeugen (Resonant Self Witness) zu aktivieren. Dieser innere Zeuge ist ein Teil von uns, der uns ohne Wenn und Aber akzeptiert, genau so, wie wir sind, mit allem, was wir erlebt haben, allem, was wir getan oder nicht getan haben. Mit all unseren Stärken und Schwächen. Du kannst dir dabei vorstellen, dass dein innerer Zeuge eine Person aus deiner Bekanntschaft ist, oder ein Tier, oder eine berühmte Persönlichkeit, oder eine Fantasiefigur. In einer geführten Meditation werden wir zu ihm bzw. ihr geleitet.

Wenn du diese innere Zeugin stärkst, kann sie dich in schwierigen Situationen auffangen. Etwa, wenn du in besonders kritische oder hasserfüllte Gedankenspiralen gerätst, wenn frühere negative Erlebnisse dich einholen oder du in ein tiefes Loch stürzt. Schlüssel dazu ist, wie wir mit uns sprechen. Dabei sind drei Dinge wichtig:

  • Ich habe gerade Mitgefühl für mich selbst und evtl. mein früheres Ich.
  • Ich habe eine Idee, wie es mir gerade geht.
  • Ich habe eine Idee, was ich gerade brauche (Bedürfnis, Wert, Sehnsucht).

Wenn ich mich selbst also mitfühlend frage: „Bist du gerade verzweifelt und brauchst Hoffnung, dass es auch wieder leichter wird?“, fühlt sich das erleichternd und heilsam an, wenn es zutrifft. Unser Nervensystem beruhigt sich, weil etwas resoniert, etwas sich verstanden fühlt. Resonanz stärkt uns und hat die Kraft unsere Erinnerungen und unser Selbstbild zu verändern.

Beispiel: Selbstempathie

Im Video zeigt Sarah ein Beispiel, wie wir mit uns selbst reden können, wenn wir uns ohne bemerkbaren Grund schlecht fühlen.

Sarah hat mehrere Videos aufgenommen, die du dir ansehen und durch die du lernen kannst. Hier ist ihr YouTube-Channel.

Ich würde mich freuen über eine Rückmeldung von dir. Hat dich der Text neugierig gemacht? Hat dich etwas angesprochen?

8 Kommentare

    1. Hallo Andrea,
      Das Buch ist erst kürzlich auf englisch erschienen und es gibt bislang noch keine Übersetzung und keinen Verlag, der vorhat, es zu übersetzen. Vielleicht fällt dir ja ein Verlag ein, den es interessieren könnte? Ich fände es wunderbar, wenn das Buch auch auf Deutsch erscheinen könnte.

  1. Hallo liebe Sabrina,
    ich lese immer wieder sehr gerne was du schreibst.
    der dritte punkt: Seit einiger Zeit habe ich eine Idee von einem abgespaltenen zweiten Ich, dass mir genau die Liebe und Aufmerksamkeit zukommen lässt die ich mir von meinem Partner/in und Mitmenschen erwarte. Da Du das Thema aufgreifst scheint da ja was dran zu sein. Also einen ernsthaften Versuch wert.
    Frage: Was hat das mit Selbstliebe zu tun? Ist es die abstrakte Immitation eines wiklichen Gegenüber aus eigener Kraft? Das wäre ja eigentlich auch schon göttlich, ich meine näher an Gott kann man kaum kommen wenn man es so will. Ich bin selber nicht releigiös… liebe Grüsse Mitch

    1. Hallo lieber Mitch,
      Wie schön, dich zu lesen! Ich denke, du bist da auf einer richtigen Fährte. Ich würde allerdings nicht von einem abgespaltenen zweiten ich sprechen, sondern eher vom wahren Selbst. Das was wir sind, wenn wir frei sind von früheren Traumata, wenn wir nicht regiert werden von unseren Gedanken und Gefühlen. Sondern wenn wir diese beobachten und mitfühlend damit umgehen können. Das nennt sich auch Selbstregulierung (wenn ich jetzt von der Spiritualität in die Psychologie wechsle) und bedeutet, dass die Verbindungen in unserem Gehirn zwischen Amygdala und präfrontalem Kortex gut zusammenspielen. Das ist der Fall, wenn wir eine Kindheit hatten, in der uns Erwachsene wirklich gesehen und unsere Bedüfnisse beachtet haben und wir ganz einfach das Gefühl hatten: Ich und meine Bedürfnisse sind wichtig. Aber auch wenn das nicht der Fall war – und ich mutmaße, dass das bei den meisten Menschen nicht der Fall war – ist das erlernbar. Ergibt das so Sinn für dich und beantwortet ansatzweise deine Fragen? Ich bin ja auch selbst noch am lernen und kann deshalb auch nur das weitergeben, was ich gerade in diesem Moment für meine Wahrheit halte.

  2. Hallo Sabrina,
    vielen Dank, dass du so eine interessante Zusammenstellung aus dem Buch gemacht hast und uns hast zukommen lassen. Mich hat das sehr neugierig gemacht – nur ist mein Englisch leider auch nicht so gut, dass ich Sarah ganz verstehe…. ich hoffe auch auf eine Übesetzung ins Deutsche.
    Auf jeden Fall bin ich auch überzeugt, dass das mit der positiven Selbstannahme ein wesentlicher Faktor in unserem Leben ist…. und arbeite daran.
    Liebe Grüße
    Gerdi

    1. Hallo liebe Gerdi,
      Ich freue mich, dass du mit meiner Zusammenstellung etwas anfangen konntest. Und ich hoffe auch sehr, dass eine deutsche Übersetzung (und eigentlich in alle Sprachen!) kommt.

  3. Hallo Sabrina,

    super Blog! Buch ist auch schon bestellt:) Vielen Dank für den Tip. Ich freue mich auf das nächste Seminar!
    Beste Grüße
    Susanne

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