Was bleibt ist… Müll

Müll im Straßengraben

Wenn jemand Plastik aus dem Fenster eines fahrenden Autos in den Wald oder ins Gebüsch wirft, dann bleibt das da erstmal. Lange. Denn Plastik kann mehrere hundert Jahre fortbestehen. Und selbst, wenn es für das bloße Auge nicht mehr sichtbar ist, überdauern kleinste Plastikteilchen Ewigkeiten.

Wenn Tiere vorbei kommen und daran nagen, ist das Plastik zwar erstmal weg, aber das Tier ist tot. Denn Plastik verstopft den Magen und die Tiere verhungern mit vollem Magen. Und da Plastik schier unverwüstlich ist, besteht es auch über den Tod des Tieres hinaus fort.
Es kann aber auch sein, dass sich ein Tier in dem Plastik verfängt, sich daran verletzt und/oder stirbt. Vögel sammeln auch gerne Folien und Plastikstücke für den Nestbau. Das kann dazu führen, dass das Nest derart abgedichtet wird, dass bei Regen das Wasser nicht mehr ablaufen kann und die Küken im eigenen Nest ertrinken. Auch Glasmüll birgt Gefahren: einerseits treten Wildtiere in die Scherben und verletzen sich dabei. Und durch die Bündelung des Lichts durch das Glas kann es sogar zu Waldbränden kommen (aktion tier e.V. – Tödliche Falle Müll und DJV Newsroom: Der Joghurtbecher als tödliche Falle). Zudem können giftige Stoffe in den Boden einsickern und das Grundwasser verunreinigen. Besonders hübsch sieht es auch nicht aus, wenn der Straßengraben voll mit Müll ist. Im Wald fährt auch leider keine Müllabfuhr vorbei, die den Müll entsorgen kann. Hier ist tatsächlich jeder einzelne gefragt, seinen Müll mit nach Hause zu nehmen. Dort kann er auch wieder in den Abfall-Kreislauf eingespeist werden: Plastik, Glas, Altmetall und Papier werden recyclet und der Rest wird verbrannt.

Wem erzähl ich das eigentlich? Müll in die Natur werfen ist in Deutschland doch absolut verpönt!

Echt?

Ich habe heute ein Experiment gemacht: Ich habe mir Handschuhe angezogen, eine leere Plastiktüte geschnappt und bin die Straße am Wald entlang gelaufen. Ich wollte ausprobieren, wie weit ich komme, bevor meine Tüte voll ist. Mit Müll. Ich dachte: so einen Kilometer werde ich schon laufen müssen.

Da lagen Zigarettenschachteln und Trinkbecher. Plastikpapierchen von Schokoriegeln und Stanniolpapier. Mehrere Schnapsfläschchen aus Glas und insgesamt 4 Feuerzeuge, eine zerbrochene CD und ein Paar Socken. Und ich kam keine 200 Meter weit! Die Feuerzeuge hätten dort noch gut und gerne 100 Jahre liegen können, bis sie sich zersetzen. Und selbst danach blieben immer noch kleinste Plastikteilchen übrig. Und die Glasflaschen hätten noch Forscher einer neuen Zivilisation in 100.000 Jahren finden können. Der Papierteil der Trinkbecher der Fast Food-Kette Ihres Vertrauens wäre im Laufe eines Jahres wohl verrottet, der Plastikdeckel hätte vielleicht noch 100 Jahre länger durchgehalten, bis er nicht mehr zu sehen wäre. (Schätzungen des Deutschen Alpenvereins e.V.)

Was also tun? Man erwischt die Umweltsünder ja nur selten und selbst wenn, wird kaum einer Einsicht zeigen, wenn man ihn auf sein Fehlverhalten hinweist. Und auch wenn es darum geht, neuen Müll zu vermeiden, so muss ja auch der bereits vorhandene Müll irgendwie entsorgt werden. Müll-Sammel-Aktionen (wie vom Nabu vorgeschlagen) in der Gemeinde können einerseits Bewusstsein für das Problem wecken, helfen bei der Entsorgung des Mülls und erregen Aufmerksamkeit. Ausrüstung braucht man dafür nicht viel: mehrere große Plastiktüten (am besten in verschiedenen Farben, so dass nach Plastik, Glas und Restmüll sortiert werden kann), Putz- oder Arbeitshandschuhe und evtl. Warnwesten, wenn man an einer vielbefahrenen Straße entlang läuft. Wer seine Aktion dokumentieren will, der braucht natürlich auch einen Fotoapparat.

Wem es schon zur Gewohnheit geworden ist, Müll aus dem Autofenster zu werfen, dem hilft vielleicht ein Auto-Mülleimer dabei, sein Verhalten zu ändern. Vielleicht gäbe es tatsächlich weniger Müll am Straßenrand, wenn Mülleimer zur Standard-Ausstattung jedes Autos gehörten.

Vor einer Woche hab ich übrigens eine kuschelige Polyacryl-Decke am Straßenrand gefunden. Frisch gewaschen hält sie schön warm. Also einfach mal die Augen offen halten beim Radfahren und Spazieren gehen: manchmal findet sich auch ein Schatz unter all dem Müll.

Bearbeitung 22.08.2013: Einige Details zum Thema Plastik korrigiert

6 Kommentare

  1. Wenn ich zum Baggersee meines Vertrauens radele, habe ich auch immer eine kleine Mülltüte dabei. Da dieser formell Privatgelände ist, sammeln dort nur Freiwillige. Immer wieder finde ich es interessant, dass die Autofahrer in der Regel ausschließlich an dem Punkt des Sees zu finden sind, der dem (inoffiziellen) Parkplatz am allernächsten ist und dort mit Abstand(!) der meiste Müll liegt. Hingegen findet man im (inoffiziellen) FKK-Bereich quasi nichts.

    Du hast geschrieben, dass sich das Plastik erst in 100 Jahren zersetzt – das stimmt so nicht. Plastik zersetzt sich im Allgemeinen überhaupt nicht; es zerfällt lediglich. Das ist das Perfide am Kunststoff.
    Es zerfällt im Laufe der Jahrtausende in immer kleinere Stückchen, bis sich die Moleküle letztlich zum Beispiel zwangsläufig in der Nahrungskette anreichern. Die Moleküle/Polymere an sich bleiben in der Regel jedoch in Takt.

  2. Mülleimer im Auto finde ich eine sehr gute Idee! Ich scmeiße zwar nie meinen Müll aus dem Fenster (das könnte für die hinter mir fahrenden Autos doch auch gefährlich sein??), aber weiß nie wohin mit den ganzen Papierchen im Auto.
    Interessanter Artikel, dass Küken in ihrem eigenen Nest ertrinken, habe ich noch nicht gewusst. =) =) =)

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